Über das Ausziehen

45 10-16 Minuten 3 Kommentare
Über das Ausziehen

Über das Ausziehen

Leni Trattner

Seine Finger fanden die Knöpfe meiner Bluse. Einer nach dem anderen. Mühelos. Fast zu mühelos.
Ich zog schärfer die Luft ein – ließ den Teig aber nicht los.
Weiterziehen. Sanft.
Der Teig auf meinem Handrücken. Und plötzlich wurde auch diese Berührung sinnlich.
Dünner.
Empfindlicher.
Sein Mund an meinem Hals – zuerst vorsichtig, dann bestimmter. Seine Hände fanden ihren Weg, ohne zu zögern.
Und ich ließ es zu.
Weil ich es wollte.
„Du bringst mich noch dazu, dass ich ihn zerreiße“, murmelte ich.
„Tust du nicht.“
Und ich tat es nicht.
Meine Hände arbeiteten weiter, fast selbstständig. Ich dachte nicht mehr. Ich fühlte nur noch.
Der Teig spannte sich über meine Haut, warm, beinahe lebendig. Und gleichzeitig seine Hände auf mir. Führend. Fordernd. Und doch nie grob.
Bis der Teig fertig vor mir lag. Dünn. Gleichmäßig.
Er war bereit.
Wir noch nicht.
Ich löste mich vorsichtig, griff nach der geschmolzenen Butter und begann, den Teig einzustreichen. Sauber, gleichmäßig, bis in die Ecken. Dann die Äpfel, die Brösel, etwas Zucker. Routine.
Er blieb hinter mir. Ruhiger jetzt.
Er hatte verstanden, dass Geduld sich lohnen würde.
Seine Lippen an meinem Nacken, seine Hände sanfter. Begleitend, nicht mehr drängend.
„Und jetzt?“, fragte er leise.
„Jetzt rolle ich ihn ein.“
Ich tat es. Sorgfältig, ohne Hast, mit sicheren Bewegungen. Löste mich dabei ein Stück von ihm – der Strudel musste schließlich ins Rohr.
Mit dem Feuer spielt man nicht. Das habe ich früh gelernt.
Als der Strudel im Rohr war und die Hitze langsam die Küche füllte, stand ich am Abwasch. Meine Hände noch leicht klebrig. Meine Bluse immer noch offen – ich hatte sie nie wieder geschlossen.
Erneut spürte ich ihn, bevor er mich berührte. Seine Hände auf meinen Hüften. Diesmal weniger verspielt, sondern bestimmter, fester. Kein Streicheln und Reizen, sondern ein Zupacken.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 3651

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Das mit dem Strudel ...

schreibt Stayhungry

.... war bei ubs zu Hause genauso. Ja, und der Rest: auch mal! Danke für diese schöne Erinnerung, die, so hoffe ich, deine Gegenwart ist

Strudelglück

schreibt Burgunder

Liebste Frau Trattner, Vielen Dank für diese Ode an den Strudel! Nie habe ich die Sinnlichkeit des Strudel machens schöner beschrieben gesehen und verstehe zu gut das ein Fertig-Strudel im Café nie Ihren Ansprüchen genügen wird. Unabhängig von der Begleitung!

Ach Leni ....

schreibt Stayhungry

Gedichte auf den Leib geschrieben