Ich erwische mich bei einem Gedanken, der mich selbst sehr überrascht. Wenn Bernd sie mit seinen wunderschönen Augen anschmachtet, denke ich „Finger weg. Anita gehört zu mir!“ Was ist nur los mit mir? Ich stelle Besitzansprüche. Wäre mein Inneres ein Emoticon, würde es schmunzeln, dann den Mund erstaunt öffnen, fragend nach links und rechts blicken und dann wieder vor Freude strahlen und so weiter.
Meine Gefühlsachterbahn führt zu einem für mich vollkommen untypischen Alkoholkonsum. Den Aperitif habe ich bereits heruntergestürzt und dafür einen fragenden Seitenblick von Anita geerntet. Mittlerweile bin ich bei meinem vierten Glas Rotwein. Bernd hält allerdings gut mit.
Unser prächtiges Essen, ich kann den Themen der Unterhaltungen kaum folgen, endet mit einem Dessert, das Anita in der Küche gezaubert hat.
Dann, als wäre es das einzige Thema, für das ich gerade empfänglich bin, schaltet sich mein Gehirn wieder ins hier und jetzt, als Bernd fragt: „Und wie ist es mit dir? Hattest du denn schon mal Sex mit dem gleichen Geschlecht, Anita?“ Irgendwie gelingt es mir einen Zusammenhang zwischen den vorangegangenen Gesprächen herzustellen. Es ging um Homosexualität und gleichgeschlechtliche Ehen. Ein Thema, das auch in Köln zu fast jedem Gespräch dazugehört.
„Ja, hatte ich.“, gibt Anita zu. „Und du?“, fragt Bernd in meine Richtung.
„Ist das wirklich wichtig?“, gebe ich zurück. „Spielt das denn heute noch so eine große Rolle?“
„Das Thema ist einfach spannend“, gibt Bernd zurück.
„Ja, dann sag´du doch mal.“, springt Anita mir bei. „Hattest du denn schon mal Sex mit einem Mann lieber Bernd?“
„Nein, hatte ich nicht.“, gibt er zu. „Das reizt mich einfach zu wenig. Aber wer weiß, ich würde mich nicht sagen, dass es nie passieren könnte. Es müssten allerdings bestimmte Bedingungen erfüllt sein.“
„Möchte jemand etwas Hasch?“, frage ich unvermittelt. Anita und Bernd schauen gleichzeitig in meine Richtung.
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.