Überredungskünste

Verloren in einer Welt aus Liebe und Sex - Teil 6

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Überredungskünste

Überredungskünste

Jo Diarist

Am nächsten Morgen war ich früher als sonst an meinem Arbeitsplatz. Ich hoffte Gina vor Arbeitsbeginn noch einmal sprechen zu können, doch sie kam pünktlich wie immer und es ergab sich keine Gelegenheit. Auch Torsten schien nach einer Gelegenheit zu suchen, mit ihr zu sprechen, doch Gina blockte uns beide. Also habe ich den Bogen doch überspannt, dachte ich und das Herz rutsche mir in die Hose.
In der Frühstückspause wurde ich beim Betreten des Pausenraumes, kurz vom Chef aufgehalten, sah aber Gina ein bisschen abseits, allein an einem Stehtisch. Als sie mich sah, gab sie dem Torsten einen Wink, der sofort freudestrahlend zu ihr ging.
Leise redete sie auf ihn ein und sein Gesicht wurde aschfahl. Mehrfach versuchte Torsten zu Wort zu kommen, Gina ließ es jedoch nicht zu, machte schließlich eine abschneidende Geste und setzte sich zu den Anderen an den großen Tisch. Als wäre nichts gewesen, mengte sie sich in deren Gespräch. Nur eine leichte Blässe und ihre unruhigen Augen verrieten mir, wie aufgeregt sie war.
Torsten stürmte an uns vorbei, mit einer Miene, die tiefsten Schmerz verriet. Er war den restlichen Tag zu nichts mehr zu gebrauchen, meldete sich am nächsten Tag krank und wechselte bald darauf die Arbeitsstelle.
Der Chef hatte ihm verwundert nachgesehen und mir gelang es, mich loszueisen. Ich steuerte auf Gina zu, doch sie sah mich an und schüttelte leicht den Kopf. Jetzt gibt sie uns beiden den Laufpass, dachte ich, setzte mich an einen Nebentisch und aß lustlos mein Frühstück.
Die Runde löste sich auf, Gina kam an meinen Tisch, nickte meinem Sitznachbarn, der gerade aufstand zu und hielt mir ein Dokument vor die Nase. Sie tat, als wollte sie mich etwas zu dessen Inhalt fragen, flüsterte mir aber zu:
„Ich habe meinen Part erfüllt. Jetzt bist du am Zug. Komm heute Abend zu mir, aber zu Besuch wie sonst. Hier halten wir uns vorerst auch bedeckt. Ich erkläre dir das dann.“
Die Stunden bis zum Abend schienen endlos zu sein und früher als erwartet klingelte ich bei Gina. Sie wollte gerade mit den Mädchen zu Abend essen, legte kurzerhand noch ein Gedeck auf und forderte mich zum Setzen auf.
Alles wirkte wie bei einem normalen Familienleben. Gina strahlte Ruhe aus und ihre Töchter behandelten mich, als gehörte ich schon immer dazu.
Der Tisch war abgeräumt, die Mädchen verabschiedeten sich, weil sie noch irgendwo hin wollten und Susi hauchte mir sogar einen Kuss auf die Wange.
Kaum war die Tür ins Schloss gefallen, nahm mich Gina bei der Hand und zog mich auf die Couch. Lange sah sie mir tief in die Augen. Ein Blick, der mir bis in die Eingeweide ging.
„Stehst du zu deinen Worten?“
„Ja, unbedingt“, antwortete ich, ohne zu zögern.
Ein tiefer Atemzug entrang sich ihrer Brust.
„Gut. Torsten heute den Laufpass zu geben ist mir nicht leicht geworden.“
Ich hielt die Luft an, und Gina beeilte sich hinzuzufügen:
„Nicht weil ich ihn liebe, oder halten wollte, sondern weil ich wusste, wie er leiden wird.“
„Hm, ich hab’s gesehen“, warf ich erleichtert ein.
„Ich liebe dich aber von Anfang an unsagbar“, fuhr Gina fort und griff nach meinen Händen.
Es war wieder einmal eine Berührung, die mir durch und durch ging. Gina sah es in meinen Augen und sagte:
„So ging es mir von Beginn an. Wenn wir uns zufällig berührten, hatte ich Schmetterlinge im Bauch und das Herz schien zu stocken. Ist das bei dir auch so?“
„Ich habe ein bisschen länger gebraucht um das auch so zu fühlen, das weißt du. Aber ja, es ist oft so. Ein lieblicher Schmerz, der mir den Verstand raubt.“ Ich stockte kurz. „Apropos Schmerz, ich möchte mich für mein Verhalten gestern ent ...“
„Halt die Klappe! Mach jetzt ja nichts kaputt! Es war alles gut so, wie es war. Du hast auf eine Art reagiert, die ich verstehen und akzeptieren kann. Meinen ersten Mann habe ich hinterrücks betrogen. Er hat mich voller Zorn rausgeschmissen und jeglichen Kontakt abgebrochen. Von da an habe ich mir vorgenommen, immer Klartext zu reden. Mein zweiter Mann wurde mit der Zeit immer dominanter. Ließ mir keine Luft zum Leben und als ich begann, mich zu wehren, schlug er mich. Er hat sogar eine Tür eingeschlagen, um an mich ranzukommen. Ich wollte mich deshalb nie wieder in eine Abhängigkeit begeben. Die Männer ziehen mich aber magisch an, ich kann’s nicht ändern. Deshalb begann ich die Beziehungen zu dominieren, die Führung zu übernehmen und gebe das Heft ungern aus der Hand. Du hast mir gestern klargemacht, dass wir beide etwas von uns aufgeben müssen, wenn es auf Dauer funktionieren soll. Ich werde das im Herzen tragen, und wenn ich einmal über die Stränge schlage, sag es mir bitte.“
So hatte ich sie noch nie erlebt. Diese ernsten Gedanken schienen auch nicht zu Gina zu passen und ich wollte etwas einwerfen, doch Gina ließ mich nicht zu Wort kommen.
„Ich habe selbst Regeln aufgestellt, deren Beachtung mir wichtig war. Deine habe ich aber nicht beachtet. Deinen Schmerz konnte ich buchstäblich selbst fühlen, und als du von Bestrafung sprachst, dachte ich für einen kurzen Moment an Schläge. Aber jeder reagiert anders, das ist mir schon länger klar geworden. Torsten wird im Stillen leiden, doch irgendwann darüber hinwegkommen. Mein erster Mann strafte mich mit Verachtung und dem kompletten Bruch. Du hast mich mit dem bestraft, was einen großen Teil meines Lebens ausmacht. Mit meiner eigenen Sucht. Das kann ich dir nicht übel nehmen. Ich kann das sogar verstehen, weil ich Sex oft eingesetzt habe, um meinen Willen durchzusetzen. In dir habe ich meinen Meister gefunden. Ich bitte dich nur, es nicht auszunutzen.“
„Gina, ich hoffe, du kennst mich mittlerweile so gut, dass du weißt, dass mir das fernliegt. Ich will dir keinen Schmerz zufügen, um dir wehzutun. Es ist mir auch unverständlich, warum ich auf einmal so reagiere. Dinge bei dir, oder mit dir tue, die mir früher noch nie in den Sinn kamen. Irgendwie ist es aber so, als ob mich in diesen Momenten eine innere Stimme kontrolliert, die genau weiß, was ich tun darf und was nicht. Wenn mein Verstand dann wieder einschaltet, verstehe ich das oftmals gar nicht mehr.“
Sie lächelte und sagte:
„Ja, es gibt eine ganz besondere Verbindung zwischen uns und auch ich mache inzwischen Dinge, die ich sonst nie in Erwägung ziehen würde. Die eigentliche Bestrafung gestern, war nicht die sexuelle Handlung an sich. Die hat mich sogar mehr als heißgemacht und in Höhen getrieben, die ich selten erreicht hatte. Die Strafe war, dass ich nicht kommen durfte.“
„Hast du’s nicht zu Ende gebracht, als ich weg war?“, fragte ich verblüfft.
„Wir haben beide festgestellt, dass ich es nicht verdient hatte“, antwortete sie mit einem Schmunzeln.
„Aber ...“
„Warte, ich bin noch nicht fertig“, unterbrach sie mich. „Ich habe die Strafe akzeptiert, was auch etwas Neues ist. Also habe ich mir selbst verboten zu kommen. Ich lag da, fühlte mich auf der einen Seite benutzt und weggeworfen. Empfand das aber unverständlicherweise nicht negativ. Wellen des Schmerzes haben mich überrollt. Mein ganzer Unterleib war verkrampft und durchzogen von einem Ziehen, dass Titten und Muschi verband. Jetzt habe ich eine Ahnung, wie es dir nach unserem ersten Date ging, denn die ganze Nacht war ein Alptraum.“
Ich nahm sie in den Arm, küsste und drückte sie.
„Ach Gina, eigentlich liebe ich es, zu sehen, wie dich ein Orgasmus überrollt. Es ist für mich selbst wie ein Höhepunkt. Das ist etwas, was mir bisher immer gefehlt hat, zu sehen und zu fühlen, dass es den Anderen auch befriedigt.“
Gina lachte leise auf.
„Ja, und da passen wir perfekt zusammen, weil wir beim Sex sehr gut harmonieren.“
Mir fiel etwas ein und ich fragte:
„Wie war das eigentlich, hattest du zum Schluss die ganze Hand drin?“
„Ja, die ist da einfach so reingeflutscht. Leider konnte ich sie in dieser Stellung nicht ganz versenken, was mich fast wahnsinnig gemacht hat. Ich denke, dass müssen wir bei Gelegenheit mal vertiefen“, schloss sie breit grinsend ab.
Ich lachte auf.
„Vertiefen, aha.“
„Ja, vertiefen“, sagte Gina in mein Lachen einstimmend. „Das ist übrigens auch etwas Neues, was ich noch nie in Erwägung gezogen habe. Ich hab am Anfang unserer Beziehung mal zu dir gesagt, dass ich dich beim Sex noch an deine Grenzen bringen werde. Aber du hast den Spieß umgekehrt, bringst mich an meine Grenzen und darüber hinaus.“
Wieder küssten und drückten wir uns innig. Als wir uns dann voneinander lösten, wechselte ich aber das Thema.
„Du wolltest mir eigentlich noch was erklären. Warum soll ich nicht ab sofort bei dir sein?“
„Weil ich denke, dass es besser ist, wenn wir es vorsichtig angehen.“
Ich verstand das nicht und fragte nach:
„Wie und warum vorsichtig? Ich brauche einen klaren und radikalen Schnitt, sonst wird das eine endlose Geschichte.“
„Ja, das weiß ich. Also pass auf, ich habe gründlich darüber nachgedacht und auch aus meinen beiden Scheidungen gelernt. Wir suchen dir eine kleine Wohnung, in die du einziehst. Deiner Frau sagst du, du brauchst eine Auszeit, um dir über einiges klar zu werden. So kann sie bei der Scheidung dann nicht sagen, dass du die alleinige Schuld hast, weil du fremdgegangen bist. In dem Fall stehst du nämlich dumm da und sie kann dich bis auf Hemd ausziehen.“
Ich fiel ihr ins Wort:
„Du kennst sie nicht so wie ich Gina. So etwas würde sie nie machen.“
„Täusch da mal nicht. Verletzte Frauen sind zu Dingen fähig, die du nicht ahnst. Wenn sie von einem Anwalt dementsprechend beraten wird, ist das nämlich gar nicht unwahrscheinlich. Es war sowieso schon ein Fehler ihr unsere Beziehung zu beichten. Besser, du hättest es geheim gehalten.“
„Das ist nicht meine Art“, warf ich ein.
„Und das ehrt dich, macht dich sympathisch und gibt mir Sicherheit. Im jetzigen Fall kann es aber dazu führen, dass du dich dumm und dämlich zahlst, was ja dann auch mich mitbetrifft.“
Ich stöhnte auf:
„Uhh, ich hatte gehofft, das wird einfacher.“
„Was hast du erwartet?“, fragte Gina auflachend. „Dass du deinen Koffer packst, hier einziehst und alles geht nahtlos, ohne Schwierigkeiten, weiter? Dass du von einem Bett in das andere hüpfst und alle sind glücklich? In dieser Beziehung bist du ein bisschen naiv, aber das wusste ich schon vorher und hier werde ich die Führung übernehmen.“
Gina überraschte mich immer wieder und ich hörte mir ihre weiteren Pläne an.
„Drei möglich Wohnungen habe ich schon rausgesucht. Eine können wir uns morgen schon ansehen, sie ist zwei Straßen weiter den Berg runter, aber ziemlich groß. Eine weitere ist gleich hier drüben. Wenn du aus dem Fenster siehst, schräg über die Straße, das große Fenster neben der Arztpraxis.“
Ich sah hinüber, und mir gefiel der Gedanke, dass die Wohnung ihrer so nah war. Obwohl sie mich mit all den Dingen ein wenig überfuhr, akzeptierte ich es. Ich hatte A gesagt, nun musste ich auch B sagen.
„Es ist nur eine Einzimmerwohnung mit Bad und einer kleinen Kochecke im Eingangsbereich. Ich gehe aber davon aus, dass du sowieso nicht oft dort bist. Am Wochenende können wir dort einen Blick reinwerfen. Vorher geht nicht, weil sie erst noch ausgeräumt werden muss. Bei der dritten Wohnung hab ich noch keinen Termin.“
„Wann hast du das alles organisiert?“, fragte ich kopfschüttelnd.
„Gestern, als ich vor lauter Krämpfen im Unterleib nicht schlafen konnte und heute nach der Arbeit“, antwortete Gina lachend, fuhr aber gleich fort: „Egal welche es wird, auf Arbeit fahren wir aber weiterhin getrennt und halten uns dort auch bedeckt, bis sich die Wogen geglättet haben.“
Wir redeten noch lange über das weitere Vorgehen. Gina plante und ich hatte Mühe ihr zu folgen.
Irgendwann kamen die Mädchen wieder, bauten sich vor uns auf und Lea fragte:
„Besteht jetzt endlich Klarheit?“
„Ja, es ist noch ein langer Weg, bis Ruhe einkehrt, aber die ersten Schritte sind getan“, antwortete Gina lachend.
„Das wurde auch langsam Zeit“, sagte Lea und ließ sich neben Gina auf die Couch fallen.
Mich ansehend fügte sie hinzu:
„Sie liebt dich unglaublich, und das Ungewisse hat nicht nur sie fertiggemacht, uns hat es auch belastet.“
Ich wollte gerade antworten, als sich Susi neben mir auf die Couch flätzte und ihren Kopf an meine Schulter legte.
„Ja, und ich freue mich auch für Ma.“
„Susi, was wird das?“, fragte Gina scharf und deutete auf ihren Kopf.
„Was“, kam es trotzig zurück, „darf ich ihm nicht zeigen, das er willkommen ist.“
„Susi!“
„Arr“, knurrte sie, zog aber den Kopf zurück.
Wir saßen noch einige Zeit zusammen, in der Susi unmerklich immer weiter heranrückte, sodass ich schließlich zwischen Mutter und Tochter eingezwängt war. Lea verhielt sich aber auch nicht viel besser. Sie versuchte immer wieder meinen Blick zu fangen, und wenn es ihr gelang, sah sie mir tief in die Augen. Es war beklemmend und ich fürchtete mich schon davor, wenn ich mehr Zeit mit diesen Gören verbringen würde.

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