Unfrei mit Freiern

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Unfrei mit Freiern

Unfrei mit Freiern

Vera Stein

Kann kaum schlafen, bin in Gedanken bei ihm, der mich vereinnahmt hat, mit Haut und Haar.

Jeden Tag gebe ich mich hin. Jede Minute widme ich mich Freiern, die mir zuerst ihr Geld in die Schale legen.
Sie reden, sie trinken, sie reden und ficken mich.
Sie berieseln mich mit ihren schönen Worten, ihren Problemen und Sperma. Sie flüstern mir Dinge ins Ohr, schreien, schlagen mich, treten mich, küssen mich zärtlich zum Abschied auf die Wange mit dem Klaps auf meinen Arsch.
Ich liege, sitze, hocke, knie, stehe für sie zur Verfügung.
Jede Stunde ein Neuer.
Jede Stunde ein Freier.

Und jede Stunde die Gefahr, das Schwert über mir. Blaue Flecken, ein Schlag ins Gesicht, kein Geld in der Schale. Meine Fehler, meine Vergehen.

Mann nicht befriedigt, bin zu müde am Morgen.
Mann unzufrieden, ich stinke nach Kaffee. Beschwerde.
Mann kommt nicht, gibt mir die Schuld, ich wäre zu unerfahren. Gebe mir immer Mühe, immer das Letzte.
Mann reitet mich wie ein Hengst und will noch einmal. Zeit ist um, Zeit ist Geld. Ärger im Haus, ich hätte zu lange gebraucht, mich gebrauchen zu lassen.
Mann ist nicht zufrieden, weil ich verbraucht aussehe. Mittagszeit. Habe heute keine Zeit zum Essen und öffne nicht lieber aber stattdessen die Tür zu
meinem Zimmer.
Mann zahlt nicht, weil mir vor Hunger schwarz vor den Augen wird.
Mann will etwas Widerliches mit mir tun und ich weigere mich. Er geht. Mit dem Geld.
Mann ist verärgert, weil ich ihn versehentlich gekratzt habe. Es tut mir leid, es tut mir leid. Was soll ich denn sonst noch sagen?
Mann hat nicht genug Scheine dabei und legt zu wenig rein. Mein Protest wird mit der Hand auf dem Mund erstickt. Er droht mir, nimmt mich und tut mir weh.
Mann ist sanft wie ein Lamm und ich schenke ihm meine zärtliche Zeit. ER hat es bemerkt und schmeißt den Schmarotzer raus.
Mann hält mir seinen Schwanz vor die Nase. Mühe mich Ewigkeiten ab. Lutsche, sauge, lecke, schlecke. Stehe kurz vor einem Krampf und vor Acht Uhr.
Mann wirft mich mit einem Lächeln auf das Bett, besteigt mich und in seiner Mission hält er die Stellung, wie ein Mann. Mein Kiefer schmerzt, meine Lenden, meine Beine, meine Arme, mein bestes Stück, meine Labien, die feine Knospe. Dann lasse ich mich fallen und er kommt. Ich komme, doch das hat er mir verboten. Wieder etwas falsch gemacht.

Und immer diese Hoffnung in mir, dass dieser eine sanfte, liebevolle Mann wiederkommt, wie er es mir versprochen hat. Er legte immer mehr Scheine in die Schale. Hat mich immer angelächelt und meinte, er kommt wieder.

Jeder Tag mit seinen zwölf Stunden bringt zwölf Männer in mein Bett, das nicht mal mehr mir gehört, denn die Schulden erdrücken mich. Sie haben mich schon lange zerquetscht.
Jeder Tag hat nur zwölf Stunden. Und sind sie vorbei, niemals vergessen, gibt es vom letzten verfügbaren Geld eine Mahlzeit, einen Drink.
Dann falle ich wieder in mein Bett, das nicht mal mehr mir gehört.
Ausgelutscht, mit Sperma abgefüllt, abgespritzt. Kraftlos und verbraucht.

Irgendwann kommt er dann zur mir und will kommen. An mir, auf mir, in mir. Ich kann nicht mehr.
Er greift mir ins Haar, schaut mir in die Augen, drückt mich zu Boden und lässt sich bedienen. Schon wieder sein Schwanz in meinem Mund, schon wieder einer in meinem Mund.

Mit der anderen Hand zählt er das Geld aus der Schale. Und auch heute bleibt nichts für mich.
Dann darf ich meine Fehler aufzählen. Jeder ist ihm eigentlich eine Salve Schläge wert. Widerwillig beichte ich. Später, wenn er gekommen ist.

Am Anfang wollte ich nur eine Fahrkarte kaufen, hatte kein Geld und er gab es mir. Er gab es mir auch für einen Kühlschrank, die Kleider im Schrank und das Bett, das nicht einmal mehr mir gehört.
Dann legte er mir die Rechnung vor. Die Miete für mein Zimmer hat er verdoppelt in den letzten zwei Jahren; solange arbeite ich nun schon für ihn. Teufelskreis!

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