An eben diesem Montag kommt Frank nach den Vorlesungen mit zu mir, damit wir uns gemeinsam vorbereiten können.
Schon als er sich an den Esstisch setzt, wo wir mehr Platz haben, als an meinem kleinen Schreibtisch, ‘sehe‘ ich die entscheidende Stelle in seinem Nacken. „Du hast da einen Fussel hinten am Kragen, darf ich den wegmachen?“ formuliere ich zum ersten Mal die Frage, die mir in den folgenden Jahren, so oder so ähnlich, noch oft über meine Lippen kommen wird. Natürlich ist da nichts, aber ich kann nun meine Daumen genau positionieren. Schon erstarrt Frank. Aha, es funktioniert also nicht nur bei Claudia. Ich weiß, dass Frank sparsam, ja geradezu geizig ist, trotzdem lässt er sich nicht davon abbringen, mich am Abend nicht nur zu einem Bier in die Studentenkneipe einzuladen, sondern er möchte auch unbedingt die Currywurst-Pommes bezahlen. Eine kleine ‚Behandlung‘ hat’s möglich gemacht. Mitte der Woche besuche ich dann Klaus, einen Freund von Frank, der auch mit uns studiert. Er ist ein wirklich netter Kerl, hat aber Schwierigkeiten bei den Grundlagen der Hochfrequenztechnik.
So helfe ich ihm gerne, denn es ist für mich immer eine willkommene Gelegenheit, den Stoff zu vertiefen und zu wiederholen. Auch ihn kann ich ohne Probleme ‚behandeln‘. Doch es ist gar nicht so leicht an Probanden zu kommen, denn ich muss mit der betreffenden Person schließlich einige Augenblicke ungestört sein. Meist sind es kleine Albernheiten zu denen ich die Leute bringe, oder sie verraten mir etwas, was sie sonst unter allen Umständen verschwiegen hätten.
Ungeahnte Möglichkeiten
Bericht eines außergewöhnlichen Mannes - Teil 2
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Ungeahnte Möglichkeiten
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