Ein unmoralisches Angebot

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Ein unmoralisches Angebot

Ein unmoralisches Angebot

Johannes Seilmann

Zwei Wochen später tranken wir gemeinsam Kaffee. Nach einer Weile sah sie mich vielsagend an.
„Sag mal, ich habe überlegt, ob ich dir ein Angebot mache.“
Ich stutzte und brauchte einen Moment, bis ich kapiert hatte, von was sie sprach. Damit hatte ich nicht gerechnet. Vorsichtshalber guckte ich aber mal interessiert.
„Erzähl.“ Wie macht man ein Gesicht, das gleichermaßen Gleichgültigkeit heuchelt und großes Interesse zeigt, so dass das Gegenüber weiter redet? Ich versuchte es, aber es gelang sicher nur mangelhaft. Ihr amüsiertes Gesicht spiegelte das deutlich wieder. „Was machen wir eigentlich hier gerade“, schoss es mir durch den Kopf.
„Naja, du hast neulich gesagt, du wärst käuflich. Was nimmst du denn, ich möchte dich gerne kaufen.“
„Kommt ganz drauf an, wofür. Kann sein, daß ich ziemlich billig bin, wenn mir dein Angebot gefällt. Wenn nicht, bin ich unbezahlbar.“
„Kannst du dir nicht denken, was ich meine?“
Ich tat erst mal völlig ahnungslos. In mir keimte jedoch ein wenig Hoffnung. Und das, was sich bei diesen Worten in meiner Hose tat, war meinen Gedanken um Längen voraus. Dabei schien es mir eigentlich unvorstellbar, daß sie genau das meinte, was ich hoffte. Immerhin waren wir zwar seit langem gute Freunde. Und auch wenn ich sie sehr attraktiv fand, war mir klar, dass sie verheiratet war und die Beiden durchaus eine gute Ehe führten. Und verheiratet war ich schließlich selbst auch. Ich liebe meine Frau. Doch zugleich muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich durchaus empfänglich für fremde weibliche Reize bin. Noch mal kam mir die Frage in den Sinn, was wir hier gerade taten. Die Versuchung in diesem Gespräch war einfach zu verlockend um sie so ungenutzt verpuffen zu lassen.
„Du mußt schon etwas deutlicher werden, damit ich weiß, um was es geht.“
„Ich wollte dir ein unmoralisches Angebot machen.“
„Das hatte ich jetzt gehofft.

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