Dennoch musste er verteidigt werden – und diese Aufgabe lag bei uns. Aber anstatt sich zu rechtfertigen oder wütend zu sein, durchtrennte er das System mit Ironie. Wie jemand, der begriffen hat, dass Widerstand zwecklos ist, sich aber weigert, hässlich zu verlieren – und somit legte er eine Art leichtfüßige Schönheit in jeder Bewegung an den Tag.
Und dann dieser Duft – warm, holzig, mit einem Schimmer von Tabak. Es wirkte kaum mehr wie ein Parfum, sondern eher wie eine stille Präsenz. Wenn er den Raum betrat, füllte er ihn, ohne laut zu werden. Ich redete mir ein, für all das nicht empfänglich zu sein – doch jedes Mal, wenn sich unsere Blicke trafen, setzte mein Atem einen Hauch zu lange aus.
Vielleicht begann alles in genau diesem Moment: zwischen Unmengen an Akten, zwei Blicken, zwei Atemzügen.
Einmal, als er nach der Tasse griff, die ich ihm reichte, berührten sich unsere Hände flüchtig. Nur ein Hauch, kaum spürbar – und doch hinterließ er ein elektrisches Nachbeben auf meiner Haut.
Was ihn auch besonders machte, war diese charmante Eigenheit: Jedes Mal brachte er Croissants mit – nie Supermarktware, sondern aus einer echten Boulangerie, mit knuspriger Kruste, nach Unmengen an Butter duftend, zarter Füllung, manchmal von Puderzucker bestäubt. Und immer zu viele. Anfangs fragte ich mich, ob das Kalkül war, ob er gefallen wollte. Doch bald verstand ich: Er tat es, weil er konnte – und weil es ein stiller Affront gegen alle Regeln war. Weil es alles so viel leichter, so viel weniger ernst erschienen ließ.
Die Croissants waren kein Teil des Geschäfts. Sie gehörten nicht in die Welt der Paragraphen, sondern in eine andere – verführerischer, wärmer, menschlicher. Ich bereitete sie auf Tellern an, wie immer korrekt, perfekt arrangiert, als wären sie ebenfalls Aktenstücke.
Unschuldig schmeckt anders
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Unschuldig schmeckt anders
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Eine wirklich lesenswerte Erotikgeschichte
schreibt Benko