Neulich, bei einem Glas Wein mit alten Freundinnen, kam wieder diese Frage auf, die früher oder später immer gestellt wird:
„Und, was war eigentlich dein wildestes Sexabenteuer?“
Es wurde gelacht, geschnattert, die üblichen Anekdoten flossen dahin – bis ich beiläufig sagte:
„Ich hatte einmal Sex mit einem verurteilten Straftäter in einer Tiefgarage.“
Stille. Dann einige Phrasen der Ungläubigkeit. Niemand glaubte mir – ich war immer die Vernünftige. Und doch: Sie wissen, dass ich normalerweise nicht lüge. Aber auch, dass ich keine Details zu meinem Sexleben verrate, sodass Nachfragen sinnlos wäre. Also blieb das Staunen im Raum hängen, halb Scherz, halb Fassungslosigkeit.
Was ich damals nicht sagte: Es stimmt wirklich. Nur war die Wahrheit viel unspektakulärer, frei von Lederjacken, Rauch und Gewalt. Und doch – diese Begegnung hat sich eingebrannt.
Damals arbeitete ich in einer Wirtschaftskanzlei, einem Ort in der Farbe Grau: das Grau teurer Stoffe, frisch gestrichener Wände und ergrauter Schläfen, die nur älter, nie reizvoller wirkten. Alles dort war gedämpft – Stimmen, Bewegungen, sogar die Luft. Zwischen Aktenordnern und Konferenzmappen schien jedes Geräusch geplant, jede Regung kontrolliert. Ich bewegte mich darin wie in einem Aquarium, still und funktional, immer mit dem Fokus darauf, dass mir dieser Job mein Studium finanzierte.
Vielleicht deshalb traf er mich so.
Ein Mandant, der nicht wirkte, als gehöre er hierher. Ein Mann mit Haltung – gelassen, fast spöttisch, und doch respektvoll. In einer Welt aus Paragraphen und Kalkulationen trat er mit einer Leichtigkeit auf, die provozierte. Seine Stimme war präsent, sein Blick aufmerksam, ein Hauch von Humor in jeder Bewegung. Man wusste, dass er in einem Verfahren stand, das längst entschieden war – er war das Bauernopfer eines misslungenen Deals, das Symbol für Schuld, die woanders lag.
Unschuldig schmeckt anders
25 7-12 Minuten 1 Kommentar
Unschuldig schmeckt anders
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Eine wirklich lesenswerte Erotikgeschichte
schreibt Benko