Unter fremder Sonne

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Unter fremder Sonne

Unter fremder Sonne

Chloé d'Aubigné

Vor allem, da sie fast gleichzeitig mit uns das Restaurant betreten hatte. Sie trug ein helles Kleid, schlicht und fließend, das ihre Schultern frei ließ. Ihr Haar war noch leicht feucht, sicher war sie vor dem Essen duschen gegangen. Vielleicht hatte sie sich, gleich wie ich, erst einmal abkühlen müssen. Neben ihr ging ein Mann, der älter wirkte als sie. Er sah müde aus, doch bestimmt. Dirigierte sie an den Tisch und bestellte auch gleich für beide, ohne sie zu fragen.
Auch sie hatte mich erkannt. Unsere Blicke hatten sich nur für eine Sekunde getroffen, eher weniger. Doch dieser Augenblick hatte genügt, um uns auszutauschen. Und um alles wieder wachzurufen. Wie zuvor fühlte ich jetzt auch wieder diese Hitze und musste mit mir kämpfen, mir nicht mit meiner Hand ein wenig über meine Seite oder meinen Oberschenkel zu streifen.
„Hörst du mir überhaupt zu?“, fragte mein Mann.
„Natürlich“, sagte ich – überrascht, dass ihm überhaupt etwas an mir auffiel.
Er sah mich einen Moment lang an, als wollte er prüfen, ob das stimmte. Dann lächelte er müde und wandte sich wieder seinem Teller zu. Ich spürte, wie mir die Wärme ins Gesicht stieg, und senkte den Blick.
Es war nicht richtig, das wusste ich. Nicht, was am Strand geschehen war. Nicht, dass ich jetzt beim Abendessen saß und die Frau ein paar Tische weiter beobachtete. Nicht, dass mein Körper schon auf den bloßen Gedanken an ihren Blick reagierte.
Doch was genau daran war falsch?
Die Frau saß mit dem Rücken halb zu mir. Ich konnte ihr Gesicht nur sehen, wenn sie sich zu ihrem Begleiter drehte. Er sprach viel, sie hörte ihm aufmerksam zu. Oder tat zumindest so. Einmal strich sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und blickte dabei über seine Schulter hinweg zu mir. Ein Blick, der nur mir galt. Endlich wieder einmal.

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