Unter fremder Sonne

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Unter fremder Sonne

Unter fremder Sonne

Chloé d'Aubigné

Unsere Augen trafen sich und keine von uns wich aus.
Dann lächelte sie leicht.
Ich senkte den Blick, doch es war zu spät. Mein Herz schlug schneller. Zwischen meinen Beinen breitete sich erneut diese vertraute Wärme aus, und ich musste die Knie enger zusammennehmen, um mich nicht zu verraten.
„Du bist heute sehr still“, sagte mein Mann.
„Ich bin nur müde. Wahrscheinlich zu viel Sonne.“
Die Lüge kam leicht über meine Lippen. Ich konnte ihn sogar dabei ansehen. Und fühlte nichts. Kein schlechtes Gewissen, dass ich gelogen hatte. Aber auch keine Anziehung mehr.
Er nickte, als wäre das eine ausreichende Erklärung. Vielleicht war es das auch. Vielleicht war Müdigkeit die bequemste aller Antworten. Sie erklärte, warum man nicht mehr fragte, warum man sich nicht mehr berührte, warum man nebeneinanderlag und trotzdem allein blieb.
Später, auf dem Weg zurück zum Zimmer, legte mein Mann eine Hand auf meinen Rücken. Die Geste war vertraut, aber sie wirkte bemüht, kam nicht mehr natürlich. Wirkte eher, als wollte er zeigen, dass er zu mir gehörte, nicht als ob er mich unbedingt spüren wollte. Ich wich dieser Berührung aber nicht aus. Vielleicht, weil ich noch nicht wusste, was ich mit all dem anfangen sollte. Wahrscheinlicher aber, weil eine Ehe nicht in einem einzigen Nachmittag verschwand.
Im Zimmer zog er sich schweigend um und legte sich kurz darauf ins Bett. Wenige Minuten später hörte ich seinen gleichmäßigen Atem.
Ich blieb noch lange auf dem Balkon stehen.
Unten lag der Strand dunkel unter dem Mondlicht. Das Meer war nicht mehr blau, sondern schwarz und silbern. Irgendwo in einem anderen Zimmer, wahrscheinlich sogar ganz nahe, lag die Frau vom Strand. Vielleicht schlief sie bereits. Vielleicht dachte auch sie an den nächsten Tag. Und an mich.
Ich wusste, dass ich morgen wieder zum Strand gehen würde. Doch diesmal würde ich hoffen, dass mein Mann nicht mitkommen würde. Und wenn die andere Frau wieder dort lag, würde ich nicht so tun, als wäre heute nichts geschehen. Sondern schauen, was alles geschehen kann. Denn endlich fühlte ich mich wieder.

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