Unter fremder Sonne

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Unter fremder Sonne

Unter fremder Sonne

Chloé d'Aubigné

Ich erstarrte.
Es war kein vorwurfsvoller Blick. Auch kein erstauntes Aufreißen der Augen, kein spöttisches Lächeln. Sie sah mich einfach an. Ruhig, aufmerksam, beinahe neugierig. Und gerade diese Ruhe machte es schlimmer.
Meine Hand lag noch immer auf meinem Körper. Ich zog sie möglichst ruhig zurück und presste sie gegen den Sand neben mir. Mein Herz schlug so heftig, dass ich überzeugt war, die Frau müsse es hören können. Hitze stieg mir in die Wangen.
Ich wollte mich aufrichten. Etwas sagen. Mich entschuldigen, obwohl ich nicht wusste, wofür.
Doch ich blieb einfach starr liegen.
Die Frau sah mich noch immer an. Ihr Blick wanderte kurz zu meiner Hand und wieder zurück in mein Gesicht.
Sie wusste.
Ich schluckte. Zwischen uns rauschte das Meer. Eine Welle brach am Ufer, zog sich über den Sand und hinterließ einen glänzenden Streifen, der im Sonnenlicht flimmerte.
Die Frau hob eine Hand und berührte den Träger ihres Bikinis.
Langsam, ohne Eile, streifte sie ihn von ihrer Schulter.
Ich hätte den Kopf abwenden können, aber ich tat es nicht. Mein Blick blieb an ihr hängen. Ich betrachtete ihre helle Haut, die so weich aussah. Und ich bewunderte sie. Nicht, weil sie besonders schön gewesen wäre, denn Schönheit spielte in diesem Moment keine Rolle für mich. Sie war einfach da. Unbefangen. Sicherer in ihrem Körper, als ich mich seit langer Zeit gefühlt hatte.
Ihre Finger wanderten zum anderen Träger. Diesmal sah sie nicht mehr auf ihre Hand, sondern in meine Augen.
Ich wusste nicht, ob ich empört sein wollte. Ein Teil von mir wollte es. Ich wollte mir sagen, dass sie zu weit ging, dass so etwas nicht an einen öffentlichen Strand gehörte. Doch diese Empörung schien fehl am Platz. Schließlich hatte ich begonnen.
Die Frau öffnete den Knoten, der den Bikini am Rücken zusammenhielt, und ließ ihn langsam nach unten gleiten, beinahe spielerisch.

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