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Pünktlich um 17.00 Uhr stand er am nächsten Abend plötzlich neben mir an der Theke. Wir suchten uns einen Tisch für zwei und hatten ein paar wirklich vergnügliche Stunden. Nicht einen Moment wirkte unsere Unterhaltung gekrampft oder gekünstelt. Wir hatten stets Gesprächsstoff und durchaus den gleichen Humor, wie sich schnell herausstellte. Überdies erwies sich als eloquenter und geistreicher Unterhalter, was ich von einem Dreibeiner in seinem Alter nicht unbedingt erwartet hatte.
Er hieß übrigens Tom. Also eigentlich Thomas, er wollte aber Tom genannt werden. Gegen 19.00 Uhr quälte uns der Hunger und wir studierten die Karte. Es gab aber nur kleine Snacks auf die uns nicht so wirklich der Sinn stand. Daher schlug ich vor „Lass uns zum Ausklang des Abends im ‚Bären‘ essen.“
Jeder kannte das Hotel – mit bekannt guter Küche - direkt in der Nachbarschaft und Tom willigte gleich ein.
Bald saßen wir im Bären und nach dem Essen erneut ins Gespräch vertieft. Auch hier war die Unterhaltung wieder äußerst kurzweilig und mit viel Lachen verbunden. Verblüfft schaute ich daher um 21.00 Uhr auf die Uhr: „Huch, schon 21.00 Uhr!“
Tom bekam einen Schreck: „Musst Du los?“
„Nein, hab mich nur gewundert, wo die Zeit geblieben ist.“
Er fragte zaghaft: „Mu ... musst Du nicht nach Hause?“
Ich antwortete nicht auf seine Frage, winkte aber den Kellner herbei, damit wir zahlen konnten.
Nachdem wir aufgestanden waren, schritt ich zielstrebig zur Rezeption. Er wunderte sich darüber, trottete aber willig hinter mir her. Ich fragte die Dame an der Rezeption, ob noch ein ‚Doppel‘ frei wäre. Das war der Moment, in dem er betreten zu Boden sah, aber keine Anstalten machte die Flucht zu ergreifen.
Wenig später standen wir im Lift. Tom schien mehr als irritiert.
Ich grinste ihn an: „DAS war es doch, was Du wolltest, oder?“
„Äh ..., nein …, ja …, irgendwie schon … aber musst du nicht nach Hause?“ Er starrte auf meine Hand, mit der ich gerade meine Jacke richtete.
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