Es ist die Sehnsucht nach dem Mehr, nach starken Gefühlen und bedingungslosem Vertrauen, nach dem Tanz auf dem Vulkan. Vanessa sah sie mit großen Augen an und hatte sich tatsächlich ein wenig von Agnes weg gelehnt. Agnes überging ihren Schrecken vornehm und fuhr fortzuerklären. Meist geben sich interessierte Männer und Frauen in meine persönliche Obhut, bevor sie sich selbst in den Taumel der Lüste begeben. Das ist fast eine logische Folge der Einführungsgespräche, auf denen ich bestehe. Dieses Konzept ist erfolgreicher als ich anfangs selbst gedacht hatte. Aber nur so kann ich überblicken, was in meinem Haus der sündigen Engel vor sich geht. Und es hat sich ausgezahlt, nicht jeder und jedem, nur weil er genug Geld hat, Zutritt zu gewähren.
Vanessa folgte mit großen Augen ihrem Bericht und hatte zwar den Strohhalm zwischen ihren verkniffenen Lippen, aber sie saugte gar nicht am alkoholfreien Cocktail, zu dem Agnes sie eingeladen hatte. Bist du jetzt entsetzt? fragte sie heiter. Nein, nein, haspelte Vanessa, aber das ist schon ungewöhnlich und hört sich interessant an. Na, dann besuche mich doch mal! lud Agnes sie ein, was Vanessa unverzüglich ablehnte. Agnes bedrängte sie mit keinem weiteren Wort und lenkte das Gespräch auf Vanessas Lebensumstände, was diese dankbar aufnahm. Doch ihre Neugier war geweckt und brachte eine Unruhe in ihr Leben, die sie nicht mehr los wurde. Als sie Agnes wieder traf nach ein paar Tagen, bat sie mit pochenden Schläfen und tiefroten Wangen um einen ihr gelegenen Termin. Sie wolle nur ein wenig hineinschnuppern in die verheißene verruchte Welt, nichts wirklich selbst erfahren. Agnes lächelte verständnisvoll. Natürlich kannst du kommen, wann du willst. Ich werde dir ein wenig erzählen, dir ein bisschen davon zeigen und dann mit dir herausfinden, was dich bewegt und vielleicht auch wirklich tief erregt.
Vanessa steht
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