Sven hatte den beiden die Regeln erläutert. Vanessa durfte alles, ihnen beiden hingegen, als Männer, war nur Zuschauen gestattet. Um einundzwanzig Uhr war der Club Venus bereits sehr gut besucht. Sven und seine beiden Freunde bekamen aber Vortritt, weil er nicht nur Stammgast war, sondern auch die eine oder andere Frau angeworben hatte, die hier ihr zusätzliches Geld verdiente.
Auf den obersten Treppenstufen musste man den Kopf einziehen, so eng waren die baulichen Verhältnisse, dann aber weitete sich ein geräumiger Keller vor ihnen. Ein Gemisch von dezenten Parfums waberte in der Luft und steigerte vor allem Leos Aufregung. Er hatte noch nie eine solche Location besucht und war sehr gespannt, was für eine Welt sich da öffnen würde. Smirnoffs und Campari Orange wurden serviert, und Vanessa kam sich vor wie an einer Klassenparty. Im Hintergrund Musik von Taylor Swift, dann Billie Eilish – Playlists aus den letzten paar Jahren, was in etwa dem jungen Publikum entsprach. Vanessa war alledings nicht naiv und wusste genau, dass da noch mehr war. In den hinteren Räumen. Der Club war nicht deshalb gut besucht, weil die Leute ein bisschen Billie Eilish hören und Smirnoff süffeln wollten. In einem Nebensatz hatte Sven sie in einer Mail gebeten, ihr Schamhaar spriessen zu lassen, sie würde dann beim Besuch in Bern früh genug erkennen, wozu das gut sei.
Da spürte Vanessa einen sanften Druck; jemand ergriff ihre Hand. „Komm“, flüsterte ihr eine weibliche Stimme ins Ohr. In Begleitung von Sven und Leo fühlte Vanessa sich sicher und folgte der Frau, die sie mit sich in einen Nebenraum zog. Dann wurde ihr eine Augenbinde angelegt. „Leo...“, sagte sie, weil ihr jetzt doch ein wenig mulmig zumute war. Sie kannte Sven ja nicht wirklich, und wenn Vanessa etwas nicht ausstehen konnte, dann waren es düstere Lack-Leder-Latex-Sado-Maso-Spielchen.
Vanessa wird geliebt
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