Eine perfekte Gratwanderung. Sie gab ganz die verführerische Unschuld, genau das, worauf Männer abfuhren. Geschmack konnte man ihr jedenfalls nicht absprechen. „Am Sonntag war schließlich erster Advent und man sieht doch nichts, was man nicht sehen dürfte“, war Saskias selbstbewusste Antwort gewesen, wobei sie sich in einer kessen Pose mit einer Hand an ihrem Schreibtisch abstützte, „oder findest du, daran was auszusetzen?“
Vera hatte sie angegrinst: „Nicht das Geringste, meine Hübsche. Perfektes Styling, volle Punktzahl! Aber es sollte mich wundern, wenn du heute nicht ein paar neue Verehrer gewinnst. Und unserem lieben Herrn Meier läufst du am besten erst gar nicht über den Weg. Der rollt sich glatt ein, wenn er dich sieht.“
„Bei dem notgeilen, alten Bock glaube ich das sofort“, hatte Saskia herausgeprustet. „Aber mal ehrlich. So wie der mich anglotzt, habe ich immer das Gefühl, der zieht mich mit Blicken aus. Ich find‘ das widerlich, du nicht? Sowas törnt mich total ab.“ Vera hatte darauf ihr Gesicht zu einer abfälligen Miene verzogen und eine abwinkende Handbewegung gemacht. „Vergiss es“, hatte sie gesagt, „solche Typen gibt’s doch überall. Bei dem läuft doch eh nichts mehr. Der träumt höchstens noch davon.“ Sie hatten amüsiert gekichert.
„Du siehst heute übrigens auch gut aus“, hatte Saskia wieder beim Ausgangspunkt ihrer kleinen Unterhaltung angesetzt und dabei verschmitzt gegrinst.
„Was soll das heißen?“, war Veras fast empörte Reaktion gewesen, „ich seh‘ immer gut aus!“ „Ich auch!“, hatte Saskia lächelnd erwidert.
Vera hatte ein wenig die Lippen geschürzt und ihrer Kollegin zugezwinkert. „Ich mag dich!“,
hatte sie gesagt, „du bist manchmal ein freches kleines Biest, aber ich kann mir nicht helfen, ich mag dich einfach.“ Darauf hatten die beiden erneut gelacht.
Vera verstand es selbst nicht. Eigentlich hätte sie in Saskia eine Rivalin sehen müssen und die hatten es bei ihr gewöhnlich nicht leicht, doch mit ihr war es anders.
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