Verbotene Rumba

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Verbotene Rumba

Verbotene Rumba

Chloé d'Aubigné

Wir duellierten uns, jede Berührung ein kleiner Erfolg. Und auch ein kleiner Betrug.
Seine Hand lag bei der Rumba auffällig ruhig an meinem Schulterblatt, nie unhöflich, nie fordernd – und doch zu zärtlich, zu vertraut. Bei jedem Schritt, wenn unsere Körper für einen Moment in der Tanzhaltung ihre Kräfte maßen, schob ich ihn fort, mein Arm eine unnachgiebige Schranke. Doch das Spiel war längst keine Übung mehr, sondern – wie sollte ich es nennen? – eine gemeinsame Inszenierung von dem, was abends bloß in Gedanken weiterging.
Manchmal spürte ich seinen Blick auf meinem Hals, konzentriert, fragend, manchmal begegneten sich unsere Augen im Spiegel, und ich wusste nicht, ob das Zittern in mir von seinem Schweigen oder meinem eigenen stammte.
Das Training lief gut, wir waren beide ehrgeizig und wollten besser werden. Aber doch gab es etwas, das wir beide bislang nicht gekannt hatten. Ja, auf dem Parkett war da etwas, das wir beide kannten, und das mit jedem Training schwerer zu leugnen war. Etwas, das uns Angst machte. Und etwas, von dem wir mehr wollten.
Nie sprach einer von uns es aus. Er war vergeben. Ich wusste das, und ich wollte es nicht. Aber die Rumba lügt nicht – sie spielt mit allem, was nicht sein darf, und lässt es in uns brennen.
Und dann kam dieser eine Abend. Ein grauer Abend. Der Tanzsaal lag im Halbdunkel, die Wände spiegelten nur das Innen, nicht das Draußen. Wir übten routiniert, flüchteten uns in Technik und Wiederholung, als könnte die Präzision das Unausgesprochene vertreiben. Aber es war etwas anders. Er war – fahrig?
Nach dem letzten Song blieben wir einen Moment länger stehen, als nötig gewesen wäre, die Hände noch ineinander verschränkt, als hingen wir beide an einem winzigen Rest Takt, der nicht enden wollte.
Da öffnete er den Mund, seine Stimme leise und fest zugleich: „Ich habe mich getrennt.“

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