Verbotene Rumba

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Verbotene Rumba

Verbotene Rumba

Chloé d'Aubigné

In jenen Stunden wurde die Rumba, die wir auf dem Parkett inszeniert hatten, zu einer lebendigen Wirklichkeit, spürbar in jedem leisen Seufzer, in jedem verlangenden Blick, in jeder Berührung, die mehr sagte als Worte je könnten.
Unsere Körper erzählten ihre eigene Geschichte, atmeten das Verlangen ein, das sie lang verborgen hielten, erfüllten es mit jedem sehnsüchtigen Kuss, mit jeder forschenden Berührung. In diesen Stunden wurde das, was wir auf der Tanzfläche nur angedeutet hatten, zu einer reinen, lebendigen Wirklichkeit.
Seit diesem Abend ist nichts mehr, wie es war – weder in meinem Leben noch in unserem gemeinsamen Rhythmus. Auch mein Tanz hat sich gewandelt. Die Rumba, die früher eine Personifikation meiner echten unterdrückten Leidenschaft war, hat sich nun zu einem Schauspiel gewandelt. Doch keines, das eine unterdrückte Leidenschaft vorspielt, sondern eines, das eine brennende Leidenschaft als unterdrückt erscheinen lässt. Das Knistern auf der Tanzfläche, das Verborgene, das Spiel mit der Spannung – all das muss immer wieder neu erschaffen werden, inszeniert und doch echt zugleich.
Früher war unsere Rumba ein heimliches Duell, ein Tanz am Rande des Verbotenen. Heute tragen wir die Leidenschaft und unsere Liebe abseits des Parketts offen zur Schau und können uns nicht mehr vorstellen, wie es ist, sie nicht ausleben zu dürfen. Das bringt neue Herausforderungen mit sich, wirft Schatten auf den einst gleichmäßigen Rhythmus unseres gemeinsamen Spiels.
Und dennoch – dieses doppelte Leben zwischen Schauspiel und Wirklichkeit ist ein kostbares Geschenk. Eines, auf das ich nicht mehr verzichten möchte, auch wenn es mich fordert und reizt. Bewusster tanze ich nun, spüre intensiver das Flirren, die Nähe und den leisen Widerstand, den die Rumba verlangt – in meiner Haut, tief in meinem Herzen.
Was einst unterdrückt war, lebt in mir weiter. Und es tanzt mit mir.

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