Verirrt

III.

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Verirrt

Verirrt

Michael Müller

“ Sie wusste, der Alte würde ihr folgen, sobald sie auch nur einen Schritt von dem Jungen weg war. Bis der Alte aber den Kamm erreicht hat, hoffte sie, eine Lösung für dieses Problem gefunden zu haben.
Der Alte zog los.
Sie schätzte, dass es ungefähr zehn Minuten dauern würde, bis der Alte den Kamm erreicht haben würde.
Und dann?
Sie war keine gute Läuferin, das Gelände war ihr weitestgehend unbekannt. Sie war durch ihre Gefangenschaft geschwächt..........
Der Alte hatte den Kamm erreicht, wandte sich um und winkte ihr zu.
Sie wusste was sie zu tun hatte. Alles in ihr sträubte sich gegen diese Handlung. Ihr Leben stand am Spiel!
Sie rammte dem Jungen das Messer in seinen Oberschenkel. Der Junge schrie laut auf, zerrte an der Kette, die ihn an den Pfosten hielt.
Sie stützte sich auf den Griff des Messers, zog es schneidend aus der Wunde, rammte es noch einmal, diesmal in den anderen, Oberschenkel.
Sah, dass der Alte bereits auf sie zurannte, zog das Messer aus dem Fleisch des Jungen und rannte nun los.
Die Schmerzensschreie des Jungen hallten durch die Berge, vermischte sich in ihren Ohren mit ihrem eigenen Keuchen.
‚Talwärts! Talwärts!’ trieb sie sich selbst an.
Die Schmerzensschreie wurden leiser, verstummten. Sie rannte und wandte sich nicht um. Sie wollte nicht sehen, ob der Alte ihr folgte oder, so wie sie es sich vorgestellt hatte, sich um den Jungen kümmerte.
‚Talwärts! Talwärts’ keuchte sie mit jedem Atemzug.
Hinter ihr wurden Steine losgetreten, polterten auch talwärts. Sie hielt kurz an, das Messer erhoben wandte sie sich um. In einiger Entfernung sprangen Gämsen durch das Geröll. Diese hatten die Steine losgetreten. Kein Alter hinter ihr! Sie rannte weiter. Ihre nackten Füße waren von dem Geröll zerschunden. Sie zog ihre Spur, markierte ihren Weg mit ihrem eigenen Blut.
Ihre Lungen waren kaum mehr in der Lage, ihren Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Die Angst trieb sie aber weiter.

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