‘Talwärts! Talwärts!‘
Sie näherte sich der Baumgrenze. Die ersten Latschen, ein kleiner Bach, dessen Wasser sich rot färbte vom Blut ihrer Füße und der sie auch etwas abkühlte.
Ehe sie in den Wald lief blieb sie noch einmal kurz stehen, sah zurück, hoffte, keinen Verfolger zu entdecken.
Lief weiter, als sie sah, dass Niemand ihr folgte. War aber dennoch getrieben von der Angst, eingeholt zu werden von IHM, diesem Wahnsinnigen, der Frauen festhielt um seine und die Lust seines Sohnes zu befriedigen und der diese Frauen dann in Abgründe stieß, um nicht verraten zu werden.
Sie lief durch den Wald, dessen Boden weich aber von spitzen Tannen- und Fichtennadeln bedeckt war. Jeder Schritt sandte fast unerträgliche Schmerzen durch ihre Beine, ihre Lungen schienen zu bersten.
‘Weiter! Weiter!‘ befahl sie sich selbst und rannte.
Aus der Ferne klang Motorengeräusch und das Splitern von Holz an ihr Ohr.
‘Waldarbeiter’ dachte sie und Hoffnung stieg in ihr hoch, gerettet zu sein. Sie lief auf die Geräusche zu und bemerkte erst jetzt, dass sie nackt war.
Sie rannte weiter, sah eine der Arbeiter, der, ihr den Rücken zugekehrt, an einer am Boden liegenden Fichte mit einer Axt die Äste abhieb.
„Hilfe“ wollte sie rufen, brachte aber nur ein leises Flüstern heraus.
Sie rannte, stolperte auf den Mann zu, erreichte ihn und klammerte sich an seinen Körper.
Der Mann hatte sie nicht kommen gehört und erschrak zunächst, als sie ihn von hinten um die Mitte fasste.
Dann wandte er sich um, riss sich von ihr los und starrte auf das Messer, das sie noch immer in ihrer Hand hielt.
Sie warf das Messer fort und stöhnte „Hilfe“.
„Was ist denn ihnen passiert?“ staunte der Mann. Dann wurde auch ihm bewusst, dass sie nackt war. Er zog seine Jacke aus und legte sie ihr um die Schultern.
Stammelnd und keuchend erzählte sie ihr Erlebnis.
„Sie brauchen dringend einen Arzt und die Polizei muss auch verständigt werden“ er beugte sich zu ihr nieder. „Vertrauen sie mir, sie sind in Sicherheit“ sagte er und hob sie hoch.
Er trug sie zu einer Hütte und am Weg dorthin rief er einige seiner Kollegen zu sich.
„Lauf runter zum Ladeplatz und sag denen sie sollen den LKW wieder rauf schicken. Wir haben hier einen Notfall und brauchen dringend einen Transport zum Arzt“ ordnete er einen seiner Kollegen an.
Sie begann hemmungslos zu weinen. Nun, da sie wusste, in Sicherheit zu sein, fühlte sie sich einem totalen Zusammenbruch nahe. Die Männer hüllten sie in eine Decke und gaben ihr Tee zu trinken.
Das Brummen eines kräftigen Motors wurde hörbar, näherte sich der Hütte. Zwei Männer trugen sie zur Fahrerkabine.
„Frag nicht viel, bring sie nur rasch zum Doktor. Alles Weitere wird der erledigen“ sagten sie zu dem Fahrer.
Der nickte nur stumm, legte ihr den Sicherheitsgurt an und fuhr los.
‘Ich habe es geschafft, bin gerettet’ jubelte es in ihr, als sie neben dem Fahrer saß. Langsam und holprig rollte der Wagen talwärts.
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