Verirrt

Der Lehrling - Teil 2

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Verirrt

Verirrt

Darian Valberg

Ich starrte auf das Hinterteil des Pferdes und drehte nervös die Zügel in meinen Händen.
„Was wird aus uns werden, wenn wir wieder zurück sind?“, fragte ich stockend.
„Aus uns?“, fragte Marie leise, „Was soll aus uns werden?“
„Ich meine…“, setzte ich an und schaute ihr in das engelhafte Gesicht.
„Ich weiß, was du meinst!“, unterbrach Marie mich mit einem flüchtigen Lächeln.
„Nichts wird aus uns!“, flüsterte sie und legte mir sanft ihre Hand auf die Wange und streichelte meine Wange mit ihrem Daumen.
„Ich bin die Frau deines Lehrherrn. Ich bin ihm in dieser Welt zu gehorsam verpflichtet, genauso wie du!“, sagte sie ruhig, aber bestimmt, „Schlag dir andere Gedanken aus dem Kopf… sonst wird es dein Meister machen!“
Verzweiflung stieg in mir hoch und ich legte meine Hand auf ihre Hand, die immer noch auf meiner Wange weilte.
„Euer Mann liegt fast jede Nacht bei Anna…ich höre sie jedes Mal durch die Wand. Er liebt euch nicht!“, begehrte ich auf.
„Glaubst du, ich weiß das nicht?“, sagte sie leise und schaute mir in die Augen. „Aber nur weil ich das weiß, ändert es nichts an der Situation. Ich werde seinen Erben nicht austragen… und niemand anderes! Er kann keine Kinder zeugen! Es ist ihm weder bei mir gelungen, noch bei Anna, noch bei irgendeiner anderen Frau!“
„Dann trennt euch von ihm! Wir können irgendwo neu anfangen!“, erwiderte ich.
„Sei kein Narr!“, antwortete Marie bestimmt, „Eine Ehe kann nur vom Papst aufgelöst werden! Selbst wenn der sich die Zeit nehmen würde, sowas für eine unbedeutende Frau wie mich zu tun, müsste ich im Anschluss ins Kloster… und das ist das Letzte, was ich will! Und jetzt fahr!“
Ich schaute in ihre Augen und sah, wie sehr ihre Worte sie bedrückten. Aber ich wusste auch, dass sie recht hat.
Das Leben nahm wieder seine gewohnten Bahnen ein. Marie führte das Haus und ich sah sie täglich… ohne ihr nah kommen zu können.

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