Verkehrsunfall

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Alnonymus

Wow, sie bewohnt also das Penthouse. Als ich aus dem Fahrstuhl steige, werde ich bereits an der Wohnungstür erwartet. Frau Dr. von Molitor trägt eine weiße Bluse und einen lindgrünen, weit geschnittenen Sommerrock, dazu hat sie ihre Haare immer noch zu einem Knoten hochgesteckt. Sie wirkt nicht mehr so geschäftsmäßig wie heute Morgen, aber immer noch sehr schick. Auch ihr Gesichtsausdruck hat von seiner Strenge verloren, als sie mich mit einem „Herzlich willkommen“ hereinbittet. Wieder bemerke ich den dezenten, fruchtigen Duft.

Obwohl meine Gastgeberin meint, ich könne die Schuhe anbehalten, ziehe ich sie dennoch aus, zum einen ist es bequemer, zum anderen läuft auch sie barfuß durch die Wohnung, denn sie hat sich sogar ihrer dunklen Nylons entledigt. So nehme ich schließlich auf dem großen Sofa im Wohnzimmer Platz. Der Raum ist edel, aber trotzdem gemütlich eingerichtet und öffnet sich tatsächlich mit einer breiten Fensterfront zu der nicht eben kleinen Dachterrasse hin.
„Möchten sie Wasser, Saft oder ein Bier?“, holt mich ihre Stimme aus meinen Betrachtungen.
„Ein Bier wäre nett“, entscheide ich mich nach kurzer Überlegung.
„Gerne“, sehe ich Frau Dr. von Molitor lächeln, „dann kann ich ja auch eins trinken.“ Schon enteilt sie, dreht sich aber in der Tür noch einmal um.
„Glas oder Flasche?“, fragt sie.
„Na ja, ein Glas hätte sicherlich mehr Kultur, aber eigentlich bin ich ein Flaschenkind.“ Ich zucke mit den Schultern. Zum ersten Mal höre ich das herzliche, warme Lachen meiner Gastgeberin: „Perfekt. Ich auch.“ Schon ist sie entschwunden.

Die lockere Atmosphäre lässt mich etwas entspannen. Na, hoffentlich kommt das dicke Ende nicht noch. Wenig später sitzt meine Gastgeberin neben mir auf dem Sofa, und wir stoßen erst einmal an.

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