Verkehrsunfall

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Verkehrsunfall

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Alnonymus

„Ich hoffe, sie haben sich vom Schreck heute Morgen erholt“, meint sie, als wir die Flaschen abgestellt haben.
„Hab’ ich“, bestätige ich kurz, „und ich hoffe, ich habe ihnen nicht den Tag verdorben.“
„Ach was“, schüttelt meine Gegenüber den Kopf, „davon lasse ich mir den Tag nicht verderben. Es ist ja kaum was passiert.“ So entwickelt sich von ganz alleine ein entspannter Smalltalk. Nicht zum ersten Mal, seit ich die Wohnung betreten habe, schaut sie mich mit einem wohlwollenden Blick an.
„Ich besitze eine ganz gute Menschenkenntnis, und ich glaube, du bist ein zwar schüchterner, aber ganz sympathischer junger Mann. … Außerdem siehst du gar nicht schlecht aus“, bemerkt sie nach kurzem Zögern. Himmel, was wird das denn jetzt, schießt es mir durch den Kopf, gar nicht bemerkend, dass sie vom ‚Sie‘ zum vertrauten ‚Du‘ gewechselt hat.

„Weißt du, mir ist heute Morgen nach unserem kleinen Unfall eine Kurzgeschichte eingefallen, die ich letzte Woche erst gelesen habe“, fährt sie fort, zögert aber wieder kurz.
„Darin ist einer Frau das Gleiche passiert, wie mir mit dir“, erzählt sie, mich immer noch mit ihren blauen Augen ansehend, „und ich habe überlegt, ob du nicht den Schaden auf die gleiche Art wiedergutmachen könntest, wie der Mann in der Geschichte.“
„Sie meinen, ich könnte den Schaden abarbeiten?“, frage ich nach, als meine Gegenüber kurz innehält. Ihr spontanes Auflachen verunsichert mich.
„Also, abarbeiten würde ich das jetzt nicht direkt nennen.“ Sie schüttelt immer noch lachend den Kopf.
„Wobei, als Juristin muss ich mir eingestehen, dass mein Vorschlag vielleicht ein wenig ungesetzlich ist, … auf jeden Fall ist er unmoralisch.“ Sie wird wieder ernst. Wo bin ich da nur hineingeraten, und zu was für einer zwielichtigen Tat will sie mich überreden?

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