Sie wurde ihr erst gewährt, nachdem sie denselben Povoll wie Alma bezogen hatte. Tanja wühlte diese Erinnerung richtig auf. Sie zwang sich, an etwas anderes zu denken. Als Tanja ihre Bestellung aufgab, erkannte sie eine ältere Frau, die ihr gegenüber saß. Tanja war 33 Jahre alt. Die Dame am Nebentisch musste über 60 sein. Ja, das war sie! Frau Wagner lächelte ihr zu. Tanja erwiderte ihr Lächeln, worauf sie aufstand und sich zu ihr setzte. Frau Wagner sah noch immer sehr gut aus. Sie trug einen leicht konservativen, aber sehr eleganten Rock. Unter ihrem Blazer sah Tanja eine weiße Bluse. Frau Wagner bevorzugte noch immer dieselbe Kleidung. Sie streckte Tanja ihre gepflegte Hand entgegen. Ihr fester Händedruck verblüffte Tanja.
„Das ist doch die kleine Tanja Holm! Ich freue mich immer, wenn ich ehemalige Schülerinnen treffe!“
„Gress, ich heiße jetzt…Tanja Gress. Guten Abend, Frau Wagner…ich bin etwas durcheinander…hab sie gar nicht gleich erkannt…entschuldigen sie bitte…freue mich auch sehr…sie…wiederzusehen…“
Tanja ärgerte sich über ihre kindlich anmutende Stimme. Sie klang total unsicher, als hätte sie etwas ausgefressen. Ihre Wangen glühten, als sie ihre ehemalige Klassenlehrerin durchdringend ansah.
Frau Wagner fragte Tanja, wie es ihr seit dem Abitur ergangen war. Tanja erzählte ihr alles, auch die Geschichte mit ihrem Mann. Die Lehrerin runzelte die Stirn, als Tanja Holger die ganze Schuld zuschob. Die ältere Dame fixierte ihre ehemalige Schülerin. Sie stellte Tanja eine bestimmte Frage:
„Sag mal, Tanja! Was ist damals wirklich mit dieser antiken, griechischen Amphore passiert…?“
Tanja spürte sofort, dass sie rot wurde. Es war ihr total peinlich! Frau Wagner wusste also doch Bescheid, dass sie und Marlene das teure Exponat zerstört hatten. Aber weshalb bestrafte sie die Mädchen damals nicht? Tanja schluckte, als sie darüber nachdachte. Sie wirkte verschüchtert…
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