„Woher wissen sie…?“ „Eure Gesichter sagten es mir, Tanja! Ich wusste, dass ihr Zwei das wart!“
„Aber weshalb haben sie uns dann nicht bestraft?“ Frau Wagners Blick strahlte Güte aus, aber es lag auch eine gewisse Enttäuschung darin. Tanja fühlte sich unwohl, so wie damals als junges Mädchen.
„Weil ich mir wünschte, dass ihr Mädchen euren Fehler zugebt und dazu steht. Hattest du denn nie Gewissensbisse deswegen? Du und Marlene habt das ja jahrelang mit euch herumgetragen…“
Tanjas Augen wurden feucht. Ja, sie spürte ihr schlechtes Gewissen, das sie schon seit 15 Jahren plagte. Sie wirkte betreten, konnte der Lehrerin kaum in die Augen schauen. Frau Wagner sagte ihr:
„Ich habe noch immer die Schlüssel – den fürs Schulgebäude, und für das alte Klassenzimmer habe ich auch noch einen parat. Letzten Monat bekam ich Besuch. Deine Freundin Marlene war hier…“
„Marlene? Was wollte sie denn?“ „Ihren Ballast loswerden, den sie so lange mit sich rumschleppte…“
„Ihren Ballast loswerden, was meinen sie denn damit?“ Frau Wagner schmunzelte, als sie antwortete: „Das kannst du dir doch denken! Marlene hat mir alles gebeichtet. Sie erzählte mir von eurem Ringkampf und dass dabei die Amphore zerbrach. Am selben Abend verabredeten wir uns in dem alten Klassenzimmer. Marlene hat sich befreit. Sie bekam ihre gerechte Strafe – mit dem Stock!“
Tanja war fassungslos. Die Tränen ruinierten ihr Mascara, das sie so sorgsam aufgetragen hatte.
„Du solltest dir mal die Nase putzen, Tanja! Danach können wir uns ja weiter unterhalten…“
Tanja nickte, schniefte dabei. Sie fühlte sich wieder wie das 18-jährige Mädchen von einst. Auf der Toilette wusch sie sich das Gesicht ab. Während sie sich im Spiegel betrachtete, traf sie einen Entschluss. Tanja fühlte sich erleichtert, als sie an den Tisch zurückkam. Frau Wagner hörte ihr genau zu: „Ich hab mich entschieden! Haben sie diese Schlüssel auch heute dabei, Frau Wagner…?“
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