Versunkene Stadt

Amazonengeschichten - Im Land des Nordens - Teil 12

23 8-14 Minuten 0 Kommentare
Versunkene Stadt

Versunkene Stadt

Stayhungry

Lapar ist eine sterbende Stadt, begann Gal ernst, Emet in die Geschicke ihres Reiches einzuweihen. Nur wenige von uns sind fruchtbar wie ich. Uns fehlen die Nachkommen und wir brauchen Menschen, die die vielfältigen Aufgaben einer Gemeinschaft erfüllen. Bis vor einigen Jahrzehnten konnten unsere Menschen auf Wanderschaft gehen und draußen in der Welt Lebenspartner suchen und finden. Unter dem Vorwand, in ein fernes, verwunschenes aber blühendes Land zu ziehen, fanden sich immer wagemutige Frauen und Männer. Die Spuren ließen sich mit guter Überlegung verwischen und die Unzugänglichkeit unseres Landes tat ein Übriges. Heute können wir schwerlich noch Menschen finden, die aus Überzeugung und mit der nötigen Verschwiegenheit den Weg zu uns suchen. Zu nah ist die Zivilisation schon an unsere verborgene Welt herangerückt und es sind nicht nur rechtschaffene Siedler, die den Wald roden zur Bestellung ihrer Felder. Es kommen skrupellose Naturzerstörer, weil die Hochöfen von Arrnos immer mehr Brennholz brauchen für die Verhüttung der Erze. Wir selbst haben viel zu wenige Kinder, um überleben zu können. Alles verfällt, weil wir nicht genügend Handwerker mit guten Kenntnissen haben und auf den verborgenen Dienst unserer Krieger an den Grenzen können wir nicht verzichten. Es ist ein Elend, aber wir werden nicht aufgeben.

Gals Gesicht verfinsterte sich. Es ist gut, dass von den Menschenopfern der Hohepriesterin berichtet wird. So wagen es nur wenige, nach uns zu suchen. Und die, die verrucht genug sind, in ihrer Gier nach Gold die Abgeschiedenheit und Sicherheit meines Volkes zu gefährden, sterben tatsächlich durch meine Hand auf dem Altar des Sonnengottes. Ihre unschuldigen Begleiter bringen wir mit verbundenen Augen auf verschlungenen Wegen zurück in ihre Welt, mit dem Gebot zu schweigen über das Gesehene. Weil sie das nicht immer können und ihre Seele gezeichnet ist, entstehen die Legenden, die nichts anderes sind als die Wahrheit. Gal blickte ernst in Emets betroffene Augen. Emet hatte keine Skrupel, im Kampf zu töten. Einem Wehrlosen hatte sie noch nie etwas angetan, auch auf die Gefahr hin, dass ihre Ritterlichkeit weiteres Unrecht ermöglichte. Aber sie war eben eine Isati.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 6763

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben