Verwirrung und Erlösung

5 2-4 Minuten 0 Kommentare
Verwirrung und Erlösung

Verwirrung und Erlösung

Herzog

Sie hatte sich gerade zur Ruhe begeben, als er unerwartet vor ihrem Bett stand. Seine großen baunen Augen waren voller Sehnsucht auf sie gerichtet. "Was willst du?" fragte sie, eher überrascht als verärgert.
Er sah sie an, zog die Schultern in die Höhe und antwortete nicht. Schließlich hob er die Bettdecke ein wenig in die Höhe und krabbelte zu ihr in die Kissen. Das war schon lange nicht mehr passiert und insgeheim war sie gerührt, als er aufseufzend sein Gesicht in ihre Halsbeuge schmiegte.
Wenn er früher spätabends zu ihr ins Bett gekommen war, vielleicht weil ihn ein Problem beschäftigte, über das er mit ihr noch sprechen wollte, war es ihr immer ziemlich schnell gelungen, ihn wieder loszuwerden. Schließlich hatte er sein eigenes Zimmer und es war klar, wo er schlafen mußte. Diesmal aber gab er keine Antwort, als sie ihn nach dem Grund seines Kommens befragte. Er kuschelte sich an sie und rutschte irgendwie immer tiefer.
Sie trug dieses schwarze Nachtkleid, und als sich seine Lippen durch die kostbare Seide hindurch um die aufblühende Knospe ihrer linken Brust schmiegten, wusste sie nicht, wie sie sich verhalten sollte. Sie schob ihn an den Schultern zurück und sah ihm ins Gesicht.
"Mama", flüsterte er kaum hörbar und schloss die Augen.
Irgendetwas in ihr zerbrach. Sie spürte aufsteigende Wärme, Verwirrung, Rührung, Stolz... - und ließ ihn gewähren. Sie ließ es zu, dass er die zarten Spaghettiträger von ihren Schultern streifte, mit den Lippen ihre Brust umspielte, sich an ihrer Brustwarze vorsichtig festsaugte und sie dann gleichzeitig mit der Zunge zu liebkosen begann. Ihr Körper erinnerte sich an dieses Gefühl, das sie schon so lange nicht mehr empfunden hatte. Immer neue Wellen von Lust überspülten sie und sie spürte, wie ihre Seele vor Freude dahinzuschmelzen begann.
"Mama", flüsterte er erneut, als sie ihm den Arm unterschob, damit er bequemer lag, um so leichter an ihr saugen zu können.
Und:
"Ja, mein Kleiner. Die Mami ist ja hier", hörte sie sich antworten, mit einer ganz kleinen, aufgeregten Stimme, die ihr seltsam fremd und zugleich anrührend vertraut vorkam...
**********
Sie ließ sich fallen in dieses Gefühl von völliger Harmonie mit sich selbst und es war ohne Bedeutung, dass sie da nicht wirklich ein Baby im Arm hielt, ihm Wärme, Geborgenheit, Lebenskraft gab. Da war viel sexuelle Lust, keine Frage, aber dies war eine Ekstase, die sich selbst genug war, keine Steigerung, keine orgiastische Erlösung verlangte. Sie war etwas irritiert, als sie seinen hart gewordenen Schwanz an ihrem Unterschenkel verspürte. Sie entzog sich und schimpfte leise mit ihm, untersagte ihm auch, es sich selbst zu machen. Als er immer unruhiger wurde, sie ihm immer wieder auf die Finger klopfen musste, wenn er sich selbst berührte, hatte sie schließlich eine Idee. Sie schickte ihn hinaus auf den Flur, wo er das Halsband des Cocker holen musste, und damit schnallte sie ihm die Hände auf den Rücken. Er wimmerte ein wenig, wehrte sich aber nicht ernsthaft, sondern genoss es wohl, wie sie mit ihm umsprang.
Sie erlaubte ihm, den Rest der Nacht in ihrem Bett zu verbringen, und als der frühe Morgen durch die Schlafzimmervorhänge dämmerte, wurde sie von seinen verzweifelten Versuchen geweckt, sich durch Reiben an der Bettdecke doch noch von seiner Erektion zu befreien. Zunächst stellte sie sich schlafend, aber irgendwann war das Gewimmer nicht mehr zu überhören. Sie wandte sich ihm zu, überließ ihm erneut ihre Brust und griff ihm sanft, aber entschieden zwischen die Beine. Sein Wimmern ging in ein heftiges Keuchen über. Er jaulte wie ein getretenes Tier, bis sie ihm...
"Ruhig, mein Kleiner, die Mama hilft dir ja. Gleich ist es vorbei", ins Ohr flüsterte...
... woraufhin er sich, aufgebäumt, in ihre Hand hinein ergoss...
**********
Am späten Nachmittag klingelte es an der Wohnungstür und ein Bote überreichte ihr einen Rosenstrauß und einen Briefumschlag. - Einen Augenblick befürchtete sie schon, es wäre ein Entschuldigungsbrief, aber nein: Er nannte sie "Meine über alles geliebte Mama", schwärmte davon, wie "liebevoll, mütterlich und streng" sie ihn behandelt habe und unterschrieb mit "Dein ungezogenes, sehnsüchtiges Bübchen". - Sie lächelte. Nach mehr als zwanzig Jahren Ehe, davon die letzten zehn alles andere als leidenschaftlich, ein solcher Ausbruch! Sie stellte die Blumen ins Wasser und tausend Fragen bestürmten sie. Es gab vieles, was sie an seinem Verhalten nicht verstand. Aber wichtig war für sie nur eins: Diese Hoffnung, dass es mit ihrer Ehe jetzt aufwärts ging, dass etwas Neues begonnen hatte, dass es nie mehr so sein würde, wie es bisher war...

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 2437

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben