Vielleicht war es falsch

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Vielleicht war es falsch

Vielleicht war es falsch

Chloé d'Aubigné

Dann nahm ich einen Schluck Wein und sagte, dass man auf solche Fragen keine ehrliche Antwort geben könne, wenn man jemanden kaum kenne.
«Vielleicht gerade dann», sagte er.
Ich sah ihn an. Er musste bemerken, dass dieser Satz etwas in mir berührte. Doch nichts in seinem Blick drängte nach einer Antwort. Er blieb nur so offen, dass ich wusste, dass ich antworten durfte und keine Belehrung zu erwarten hätte.
Ich sagte, dass ich in einer Beziehung sei.
Es war keine Warnung. Eher eine Feststellung, die ich mir selbst gegenüber wiederholen musste.
Er nickte. «Das habe ich verstanden.» «Und?» «Und nichts.»
Seine Antwort irritierte mich. Ich war daran gewöhnt, dass Männer aus solchen Informationen entweder sofort einen Rückzug machten oder sie als Herausforderung betrachteten. Er tat weder das eine noch das andere. Er blieb einfach sitzen und sprach weiter mit mir, als hätte meine Beziehung nichts an meiner Fähigkeit geändert, eine interessante Person zu sein.
Bald schon gingen die ersten Gäste. Dann die nächsten. Die Bar leerte sich, ohne dass ich es bewusst wahrnahm. Ich hatte mein Telefon längst vergessen. Als der Kellner kam und fragte, ob wir noch etwas bestellen wollten, sah ich ihn an.
«Ein letztes Glas?», fragte er. Ich nickte.
Wir redeten nun leiser. Er sprach über seine Arbeit, über Disziplin und darüber, wie leicht Menschen sich selbst einreden, sie hätten keine Wahl, wenn sie nur Angst vor den Folgen einer Entscheidung hätten. Aber es war kein Monolog, keine Belehrung. Er teilte einfach seine Erfahrung mit mir. Ganz persönlich.
Ich sagte, das klinge ziemlich hart.
«Ist es auch», antwortete er. «Aber hart ist nicht dasselbe wie falsch.»
Ich dachte an meinen Freund. An seine Sätze, seine Blicke, seine Art, mir zu erklären, warum ich mich irrte.

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