Vielleicht war es falsch

28 19-29 Minuten 0 Kommentare
Vielleicht war es falsch

Vielleicht war es falsch

Chloé d'Aubigné

Ja, ich hatte ihn betrogen. Ja, ich hatte gelogen, indem ich die Nacht vor ihm verborgen hatte. Ja, ich hatte eine Grenze überschritten, die ich selbst später nicht als harmlos bezeichnen konnte.
Aber daraus folgte nicht, dass er mich besitzen durfte.
Es folgte nicht, dass ich bleiben musste.
Als er endlich zu sprechen aufhörte, sagte ich ihm, dass es vorbei sei.
Er lachte zunächst. Ein kurzes, ungläubiges Lachen, das mir früher Angst gemacht hätte.
Dann versprach er, sich zu ändern. Er sagte, er habe nur so reagiert, weil er mich liebe. Er sagte, ich hätte ihn provoziert. Er sagte, ich würde ohne ihn nicht zurekommen. Als ich schwieg, wurde seine Stimme weicher. Fast zärtlich.
Ich kannte diese Stimme. Sie war einer der Gründe, weshalb ich so lange geblieben war.
«Du bist verwirrt», sagte er. «Du weißt gerade nicht, was du tust.»
Vielleicht war ich verwirrt. Ich wusste nicht, was als Nächstes kommen würde. Ich wusste nicht, ob ich ihn vermissen, ob ich meine Entscheidung bereuen würde.
Aber ich wusste, dass ich gehen musste.
Wir telefonierten fast eine Stunde. Danach saß ich noch lange am Küchentisch. Ich weinte nicht. Ich fühlte mich nicht stark. Ich fühlte mich leer und gleichzeitig erschöpft, als hätte ich einen Raum verlassen, in dem die Luft seit Monaten immer dünner geworden war.
Den anderen Mann sah ich nie wieder.
Ich schrieb ihm keine Nachricht. Er schrieb mir keine. Vielleicht war das vernünftig. Vielleicht war es feige.
Seit damals habe ich keinen Mann mehr betrogen.
Ich sage das nicht, um mich besser darzustellen. Ich glaube tatsächlich, dass Untreue falsch ist. Sie verletzt, sie zerstört Vertrauen, und manchmal benutzt man sie, um Entscheidungen zu vermeiden, die man längst treffen müsste.
Nur diese eine Nacht bekomme ich nicht in dieselbe Schublade.
Vielleicht, weil sie ein Verrat war, aber mir gleichzeitig gezeigt hat, was ich wirklich will.
Vielleicht, weil ich ohne sie nicht gegangen wäre.
Und vielleicht rede ich mir das alles nur ein, weil es leichter ist, an eine Rettung zu glauben, als daran, dass ich mich selbst so lange verloren hatte.
Das Urteil überlasse ich Ihnen.
Ich habe meines bis heute nicht gefunden.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 1832

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben