Vielleicht war es falsch

44 19-29 Minuten 0 Kommentare
Vielleicht war es falsch

Vielleicht war es falsch

Chloé d'Aubigné

Ich weiß bis heute nicht, wie ich diese Nacht nennen soll.
Manchmal denke ich, sie hat mich gerettet. Das ist das Wort, das ich am liebsten verwende, weil es die Dinge in eine sinnvolle Reihenfolge bringt. Erst war ich verloren, dann geschah etwas, das mich aufweckte, und danach fand ich den Mut, mich zu retten. Eine kleine, beinahe elegante Geschichte. Eine, in der selbst mein schlechtester Entschluss noch einen Zweck hatte. Und mich als Opfer präsentiert, nicht als Täterin.
An anderen Tagen frage ich mich, ob ich mir damit nicht nur etwas schönrede.
Denn vielleicht war alles ganz anders. Vielleicht wollte ich einfach begehrt werden. Vielleicht wollte ich, dass jemand anderes mir für ein paar Stunden das Gegenteil von dem sagte, was ich ständig hörte. Vielleicht war ich feige und brauchte einen Anlass, den ich später Schicksal nennen konnte. Vielleicht wollte ich nur zerstören, bis alles in Scherben lag und nichts mehr gekittet werden konnte.
Ich weiß es bis heute nicht. Daher überlasse ich es Ihnen, die Sie diese Geschichte lesen, am Ende über mich zu richten.
Daher nun zu den Fakten:
Ich war damals Mitte zwanzig. Alt genug, um zu glauben, ich wäre wirklich erwachsen, und jung genug, um jede Unsicherheit für ein persönliches Versagen zu halten.
Er war zehn Jahre älter als ich. Damals erschien mir dieser Unterschied nicht problematisch. Im Gegenteil. Ich hielt ihn für einen Beweis meiner Reife. Ich dachte, ich sei eben nicht wie die anderen Frauen in meinem Alter. Ich sei besonnener, weiter, bereit für etwas Echtes. Natürlich nicht so weit, wie er schon war. Denn wenn er Dinge sagte, die mich verunsicherten, erklärte ich mir das mit seiner Lebenserfahrung. Und natürlich bewunderte ich diese. Wenn er Entscheidungen für uns beide traf, nannte ich es Fürsorge.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 3755

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben