Auf die Art, wie er in Gesellschaft meine Hand auf seinen Oberschenkel legte, als würde er allen zeigen wollen, dass ich zu ihm gehörte? Vielleicht war ich selbst neidisch auf die Frauen, die noch frei waren. Denn die einzige Freiheit, die ich noch hatte, war meine kleine Wohnung. Diese hatte ich trotz Protest von ihm noch nicht aufgegeben und rechtfertigte dies mit «als Ort für mein Homeoffice». Auch wenn dies nicht wirklich rechtfertigte, warum ich kaum Sachen zu ihm übersiedelt hatte.
Auch mit meiner Familie stritt ich wegen ihm. Meine Mutter stellte zu viele Fragen. Mein Vater sagte einmal, er finde, mein Freund behandle mich nicht auf Augenhöhe. Ich erinnere mich noch an den Ausdruck in seinem Gesicht. Nicht anklagend, eher vorsichtig. Als würde er sich bemühen, mich nicht zu erschrecken. Und als wäre er traurig, mich so sehen zu müssen.
Ich erschrak trotzdem – und erzählte meinem Freund davon. Dieser wurde ruhig, und diese Ruhe war schlimmer als jeder Wutausbruch.
«Jetzt weißt du immerhin, dass sie dich immer noch nicht ernst nehmen», meinte er dann nur nach einer Weile mit einem mitleidigen Gesichtsausdruck.
Dann erklärte er mir, wie er von Anfang an gemerkt hatte, dass meine Eltern ihn nicht akzeptieren würden. Sie würden mich gegen ihn aufbringen wollen. Vielleicht seien sie einfach enttäuscht, dass ich endlich ein eigenes Leben führte. Vielleicht hätten sie Angst, mich zu verlieren. Doch all das, sagte er, sei ihr Problem.
Sein Problem war es nie.
Wenn wir uns stritten, gelang es ihm fast immer, den Ausgangspunkt des Streits verschwinden zu lassen. Ich konnte noch wissen, dass ich verletzt gewesen war, aber nicht mehr genau, warum. Ich schaffte es nicht, seine Worte zu wiederholen, wenn er mich aufforderte zu zitieren, womit er mich verletzt haben solle.
Vielleicht war es falsch
28 19-29 Minuten 0 Kommentare
Vielleicht war es falsch
Zugriffe gesamt: 1826
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.