Vielleicht war es falsch

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Vielleicht war es falsch

Vielleicht war es falsch

Chloé d'Aubigné

Und der Partner war natürlich die Person, die einem ehrlich sagen durfte, was man selbst vielleicht nicht sah.
Mit der Zeit zog ich mich nicht mehr vor ihm aus, löschte das Licht, wenn wir intim wurden. Ich löschte auch Fotos von mir, die ich früher schön gefunden hatte. Und die vor allem Erinnerungen an schöne Momente waren, in denen mein Körper das am wenigsten Interessante gewesen war. Wenn er mich berührte, fragte ich mich manchmal, was genau er dabei sah. Ob er meinen Körper mit dem verglich, was er sich eigentlich wünschte. Ob er mich trotz meiner Fehler begehrte oder nur, weil er sich daran gewöhnt hatte.
Ich fand aber auch immer neue Erklärungen für seine Worte. Er sei eben anspruchsvoll. Er habe ein gutes Auge. Er wolle nur, dass ich das Beste aus mir mache. Und wenn ich mich klein fühlte, war ich überzeugt, dass das an meiner Unsicherheit lag und nicht daran, dass er mich kleiner machte.
Das Merkwürdige ist: Ein Teil von mir wusste es. Dass das nicht normal war. Dass nicht ich das Problem war. Manchmal gab es diesen kurzen, klaren Moment, in dem ich die Dinge von außen sah. Dann erkannte ich eine junge Frau, die alles tat, um ihren Freund nicht zu verärgern. Eine Frau, die sich für ihre Familie rechtfertigte, für ihre Freundinnen schämte und in ihrem eigenen Körper immer weniger Platz einnahm. Doch sobald dieser Gedanke auftauchte, schob ich ihn wieder weg.
Ich liebte ihn ja.
Und Liebe, dachte ich damals, musste doch bedeuten, dass man blieb. Wir beide gegen den Rest der Welt – das hatte sich so richtig angefühlt, als wir es uns versprochen hatten. Und natürlich wollte ich es halten.
Doch dann kam der Abend, an dem ich ihn kennenlernte. Und hinter diesem «ihm» verbirgt sich nicht mein damaliger Freund. Sondern ein anderer «er».

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