Die Geschichte, die ich hier erzählen möchte, spielt Ende der 90er Jahre. Ich bin Einzelkind, neunzehn Jahre alt, gerade mitten in der Abiturprüfung, und lebe, wie man damals so schön sagt, in begüterten Verhältnissen. Mein Vater ist leitender Jurist in einer größeren Firma, und meine Mutter arbeitet Teilzeit als Anwältin in einer Kanzlei. Wir wohnen in einer kleinen Villa am Stadtrand, aber Angestellte haben wir nicht, lediglich einmal die Woche kommt eine Putzfrau und bei Bedarf ein Gärtner. Ich habe eine wunderbare Kindheit und Jugendzeit, mit den besten Eltern, die man sich wünschen kann. Beide sind auch nach über zwanzig Jahren noch glücklich verheiratet. Sie vögeln gerne miteinander, auch wenn man das als Jugendlicher nicht unbedingt wissen will. Meine Eltern sind bei weitem nicht verklemmt, doch spielt das Thema Sexualität in unserem Familienleben keine weitere Rolle. Trotzdem bekomme ich natürlich mit, dass zwischen den beiden noch etwas läuft.
Meine Mutter hat, ebenso wie mein Vater, eine Liebe zu Spanien, weshalb wir dort regelmäßig unseren Urlaub verbringen. Inzwischen sprechen wir die Sprache recht gut, und einige persönliche Beziehungen sind im Laufe der Zeit entstanden. Dazu gehört auch, dass schon immer Au-Pair-Mädchen für einige Zeit bei uns im Haushalt gelebt haben. Dafür bin ich inzwischen natürlich viel zu alt. Doch durch die Beziehungen meiner Eltern wohnen auch jetzt noch regelmäßig junge Spanierinnen bei uns, nun eben nicht mehr als Au-Pair zur Kinderbetreuung, sondern sie helfen im Haushalt oder unterstützen meine Eltern bei privaten Projekten. Trotzdem nennen wir sie immer noch unsere Au-Pairs. So lebt seit fast drei Monaten Sofía bei uns. Sie ist dreiundzwanzig Jahre alt, lebenslustig, sympathisch, und spricht fast schon perfekt Deutsch.
Vom Au-Pair erwischt
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