Vor der Tür zum Behandlungszimmer

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Vor der Tür zum Behandlungszimmer

Vor der Tür zum Behandlungszimmer

Stefanie A. Drissen

Jeden Sonntag um halb zwölf! Und als junge Frau dann erst. Stillgestanden, ihr schwachen Geister! Und Weihnachten drei Messen! Das war wie nix! Auch wenn wir uns auf Weihnachtsgeschenke freuten. Egal. Dreimal Singsang! Und alles in Wohlgefallen und Weihrauch."
Noch einmal streichelt sie, in aller Ruhe, ihr Ohr.
"Und wie streng der Propst war! Schon knapp ein Jahr nach meiner Heirat, da fragte mich doch der Propst in der Beichte: 'Ist denn schon was Kleines unterwegs?' Und beim nächsten Mal, da wurde er noch neugieriger: 'Mädchen, bist du noch nicht gesegneten Leibes.'"
Sie war spürbar ruhiger geworden. Ihr Ohr ließ sie jetzt in Ruhe. Sie neigte den Kopf zu der neben ihr Sitzenden.
"Da fragte der mich doch im Beichtstuhl: 'Warum ist denn da noch nichts Kleines unterwegs? Wie macht ihr das denn? Macht dein Mann denn das da auch richtig. Im Ehebett? Das Gott im Paradies schon geadelt hat! Mit Fruchtbarkeit! Oder verhütet der da?’ - Du, und ich wußte doch nie, was Verhütung war. Ich hatte nix und kannte da nix von! Und Hanselmann - der sagte mir auch nix! Da bleiben die Weiber am ehesten handzahm.“
„Und kuschelig!“
„Und frau hat dann die Bauschmerzen!“
„Auch ohne PMS-“
„Wassen das?“
„Prämenstruelles Syndrom. - So was erfinden die Pillenverschreiber.“
„Komm, wir schleichen uns davon! So gut, kann ich mich nicht mit dem Arzt unterhalten.“
„Ich glaub, wir brauchen diese Ärzte nicht. - Hab ich mir schon oft gedacht! Und dann schlich ich immer wieder zum Onkel Doktor!“
„Und dann gab’s Tabletten vom lieben Doktorchen.“
„Und mein Mann wieder bester Laune. Schaltet den Fernseher. Trank sich zwei, drei Fläschchen. Und dann, wenn er mich ins Bett locken wollte: ‘Siehste, is ja alles gut! Du bist krank! Gott sei’s geklagt! Nerven! Scheiße. Haben ja alle Frauen. Oder sie stinken einmal im Monat.’“
„Und dann prockeln und torkeln sie einem wieder in der Scheide rum! Zehneinhalbmal rein und raus. Und das kannst du dich wieder abwischen.“
„Du bist aber drastisch.“
„Gehst dir besser?“
„Jaja, und so weiter!“
„Los! Ab! - Ich schlag vor: Ins Café Diabola.“
„Wo issen das?“
„Bei den Weibern.“
„Den Verrückten?“
„Ode willze lieba zum Pastoa?“
„Ne, der prockelt auch nur rum in deinem Geschlecht. Danke! De würde mich noch - na, Schwamm drüber. Sind ja auch nur arme Wichser.“

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