An einem klirrend kalten Sonntagmorgen traf Emilie Hansen auf Ruteberg ein. Manuela gab ihrer Mama zwar einen Kuss auf die Wange, aber Emilie spürte die mangelhafte Begeisterung über ihren Besuch, den ihre Tochter kaum verhehlen wollte. Auf ihre Bitte hin, führte Manuela sie über das Gelände. Als sie an der kleinen Hütte im Wald vorbeikamen, gelüstete es Frau Hansen nach einer Zigarette. Mittlerweile schien die Sonne, worauf sich die Frauen auf eine Holzbank vor der Blockhütte setzten. Frau Hansen bot ihrer Tochter eine Zigarette an, die Manuela gerne annahm. Zuerst rauchten sie schweigend, wobei sie sich von den Sonnenstrahlen verwöhnen ließen. Frau Hansen war es dann, die das Schweigen beendete. „Wie geht es denn in der Schule? Ich habe von deiner Direktorin erfahren, dass es Ärger gegeben hat!“ Manu errötete, was ihr sehr peinlich war. Sie empfand Zorn darüber, dass Fräulein Reiser anscheinend aus dem Nähkästchen geplaudert hatte.
„Ich will nicht darüber reden, Mama! Ich finde auch, dass dich das gar nichts angeht!“ Frau Hansen lächelte, wobei sich ein spöttischer Zug über ihr schönes Gesicht zog. „Ich bin deine Mutter, Manuela! Es geht mich sehr wohl etwas an, wenn meine Tochter Rohrstockhiebe bezogen hat…“
„Sei still! Das ist einfach geschmacklos und ich habe keinerlei Lust, um mit dir darüber zu reden…!“
Es war nicht die Tatsache, dass Manu ungern über diese Bestrafung sprach, die Frau Hansen in Rage brachte. Der Ton machte auch in diesem Fall die Musik, der Manus wütende Stimme schrille Dissonanzen verlieh. „Überlege dir gut, wie du mit deiner Mutter redest, Manuela!“ Emilie zog hektisch an ihrer Zigarette, während sie ihr Mädchen mit blitzenden Augen musterte. Manu trat ihre Kippe mit dem rechten Fuß auf, ehe sie entgegnete. „Willst du mir vielleicht drohen? Ich bin kein kleines Kind mehr!“ Nun machte auch Emilie ihre Zigarette aus.
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.