Vorhof zur Hölle

Nach dem großen Sterben – Die Bruderschaft

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Vorhof zur Hölle

Vorhof zur Hölle

Reinhard Baer

Das Etablissement lag deutlich unterhalb Jugendherbergsstandard, war aber zum Ausgleich in der ‚dreckig, sehr dreckig Qualität‘ einzuordnen.
Es wurde Zeit, dass das Frühjahr voranschritt, damit man wieder draußen schlafen konnte. Wir fragten den Portier nach dem Stadtzentrum und er meinte, das wäre an der North Road, Ecke Watson Avenue etwa 300 m diese Richtung. Er wies dabei etwas unbestimmt aus einem der schmierigen Fenster.
Dahin machten wir uns zu Fuß auf den Weg, gleich nachdem wir das Zimmer bezogen hatten.
Er hatte recht gehabt! Wenn es überhaupt so etwas wie ein Zentrum gab, war es wohl hier. Es gab ein paar Läden, eine Bäckerei, die ehemalige Bücherei und einen kommunalen Spielplatz, der jetzt zum Marktplatz umfunktioniert worden war. Hier tobt etwas Leben, wenn man das für die Jamestown‘er Verhältnisse so sagen darf. Ich erkannte, dass Hollis, die Stadt, die sich in der Geiselherrschaft Hannibal Lectors befunden hatte, ein Scheißdreck dagegen gewesen war. Das hier war um vieles atavistischer!
Ja, schon, es gab auch normale Stände, auf denen Farmer der Umgebung ihre Lebensmittel oder lebende Kleintiere anboten, aber auch einen umzäunten Platz, auf dem gerade brutale Hundekämpfe ausgetragen wurden, begleitet von den Anfeuerungsrufen der auf die Tiere setzenden Zuschauer. Ein Mann mit einem Bündel New Dollar in der Hand leitete das schreckliche Spektakel.
Beim abchecken des Treibens auf diesem furchtbaren Markt konnte ich übrigens kaum normales Publikum entdecken. Ganz wenige freie Frauen an den Marktständen mit Gemüse und Kleinvieh, keine Kinder oder Jugendlichen weit und breit.
Ein paar Meter weiter eine den Hundekämpfen ähnliche Szenerie mit Hahnenkämpfen. Dann lief ein Mann durch die Menge, eine halbnackte aufreizend gekleidete Frau an einem Strick hinter sich herziehend, als ob dies das normalste von der Welt wäre.

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