Vorhof zur Hölle

Nach dem großen Sterben – Die Bruderschaft

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Vorhof zur Hölle

Vorhof zur Hölle

Reinhard Baer

Das bedauernswerte Geschöpf war an den Händen gefesselt, woran der Strick befestigt war. Während seiner Runde über den Platz warb der brutale Kerl lautstark für das Bordell in der Lawn Avenue. „All what you want, for one New$.“ Abstoßend sein schmieriger Anblick, ekelerregend sein Slogan, vom schamlosen Preis mal ganz abgesehen. Kris bebte. Ich merkte wie ihr das an die Nieren ging.
Der Scherge vom örtlichen Bordellbesitzer musste allerdings auch einen Kampfpreis machen, denn wie man weiß, geht es in einer Wettbewerbsgesellschaft ja immer noch billiger. Hier auf dem Platz standen zwei alte Wohnmobile vom Typ Winnebago Brave 25RC. Sie standen wohl unter einheitlichem ‚Management‘, denn an beiden waren gleichlautende und gleichaussehende Werbetafeln angebracht: ‚Fuck – Fuck – Fuck - Each hole 0.75 New$‘. 75 New Cent also, um irgendeinem armen Geschöpf in eine ihrer Körperöffnungen zu spritzen? Das war ja mehr als widerwärtig! In dieser anarchistischen Halbwelt waren die Preise für diese Art von Dienstleistungen noch einmal katastrophal niedriger als in der halbwegs zivilisierten Welt, aus der wir gekommen waren. Nur in den New USA ging es etwas zivilisierter zu, wenngleich auch hier nicht zu alter US-amerikanischer Prüderie zurückgekehrt worden war. Prostitution war dort, wenn sie freiwillig ausgeführt wurde, legal und durfte auch beworben werden. Als ich noch so darüber nachdachte, tauchte gerade in der Tür eines der beiden klapprigen Gefährte ein pockennarbiger Hurenbock auf, der sich – schon halb in der Öffentlichkeit – zufrieden grinsend den Hosenlatz seiner versifften, ursprünglich mal blauen, Jeans zuknöpfte. Kris bebte und ich zog sie schnell weiter.

In einer Ecke des ehemaligen Spielplatzes stand zwischen zwei Spielgeräten drei Galgen.

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