Vorhof zur Hölle

Nach dem großen Sterben – Die Bruderschaft

2 5-9 Minuten 0 Kommentare
Vorhof zur Hölle

Vorhof zur Hölle

Reinhard Baer

An einem hatten sie in den letzten Tagen einen Mann aufgeknüpft und dann einfach hängen gelassen. Ein schrecklicher Anblick. Dem Mann schienen die Augen aus dem Kopf getreten zu sein und seine Zunge, blau angelaufen hing aus seinem Mund. Fauchend und strampelnd würde er seine Tage verbringen bis Wind und Wetter so gnädig waren die Strick durchfaulen zu lassen, womit er runter fallen würde.
Ich hinderte Kris daran allzu genau hinzusehen in dem ich sie schnell in eine andere Richtung zog. Kamen hier noch Kinder zum Spielen her?

Aber vielleicht das Allerschlimmste waren die Frauen in den Käfigen. Frauen schienen hier eine normale Handelsware zu sein. Den meisten sah man ihren Leidensweg schon deutlich an. Sie waren sicher schon länger in Gefangenschaft. Stumpfe verfilzte Haare, und ungewaschene, zerrissene Kleidung war der Normalfall. Und tote Augen! Ich sah in viele tote Augen! Ich zählte unauffällig durch und kam auf über 30 Frauen in sieben Käfigen. Manche Händler hatten viele anzubieten, manche nur eine oder zwei.
Ich beobachtete ein Verkaufsgespräch, bei dem der potentielle Käufer erst die Gebisse prüfte und dann beiden ihm feilgebotenen Frauen ungeniert in die Brüste kniff, um die Festigkeit zu prüfen oder vielleicht auch die Echtheit. Kneifen allein reichte ihm aber nicht. Klatschend ließ er noch seine Wurstfinger auf ihren Brüsten landen, worauf die Frauen schmerzverzerrt das Gesicht verzogen, Tränen in den Augen. Dann schlug er ihnen auch noch auf den Hintern und forderte sie auf, sich unten rum mal freizumachen. Das ganze vor aller Leute Augen. Es gab kein Zelt wie in Hollis, was eben diesem Zweck gedient hatte und wo das diskret abgewickelt werden konnte.“ Ist das auch eine Dreiloch-Stute?“, blaffte der Kaufinteressent den Schmierlappen von Händler an. „Jawohl mein Herr“, raunte dieser, die Stimme ins devote gleitend lassen, „hab sie selbst ausprobiert, und eng ist sie auch. … und … und sie kann arbeiten für zwei.“
Nachdem der potentielle Käufer die Frauen ausgiebig betrachtet und jeweils auch einen prüfenden Griff in ihren Schritt getan hatte, entschied er sich (natürlich) für die mit den größeren Brüsten. Wir hielten uns etwas abseits und warteten auf das Ergebnis der Verkaufsverhandlungen. Das arme Geschöpf ging für gerade mal 10 New$ weg. 10 New Dollar! Das war der Preis für 2–3 Hotelübernachtungen, und das für ein Menschenleben!
Der Käufer war schon regelrecht am Sabbern. Man brauchte nicht viel Fantasie um zu wissen, was der armen Frau in kürzester Zeit blühen würde. Kris war erschüttert. Ich bemerkte, dass sie begann am ganzen Körper zu zittern und ich wusste, dass ich sehr aufpassen musste auf sie. Dass sie nicht weggefangen wurde, aber auch, dass sie nichts Unüberlegtes tat in derartigen Situationen.
Sie bebte am ganzen Körper und wollte wohl gerade das Wort erheben.
„Kris, bitte!“ Flehend schaute ich ihr in die Augen.
Das brachte sie glücklicherweise wieder zur Besinnung. Sie spuckte angewidert auf den Boden und wandte sich ab. Als wir gingen, zischte sie mir zu. „Keine Angst, ich habe das im Griff.“
Na, das sah aber eben ganz anders aus!

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 162

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben