Wachverfehlung

Pfaffenglück – und andere fröhliche Rein-Raus-Geschichten

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Wachverfehlung

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Svenja Ansbach



Bei den Grenadieren, also den erst vor drei Monaten eingetretenen Soldaten mit „Schulterglatze“ (ohne Dienstgrad) waren zwei wirklich hübsche Schnitten, die brünette Manuela Wagner und die blonde Kirsten Schumann.
Hach, Frauen in der Bundeswehr ... Das machte den Job viel interessanter! Die Schumann musterte mich durchdringend, dass sah ich aus den Augenwinkeln, aber ich verzog keine Miene, ließ mir das nicht anmerken. Ich fokussierte bei der üblichen Ansprache, der sogenannten Vergatterung, auf unendlich. Schaute durch die Wachmannschaft quasi einfach hindurch.
Dann teilte ich die Wachen ein. Zweierteams – 2 Stunden Streife, vier Stunden Ruhe, das ganze viermal Mal. Zur zweiten Wache 20.00 traten Grenadier Schuhmann und Gefreiter Neugebauer an. Sie wollten fertig aufgerödelt losmarschieren und drehten sich schon um in Richtung der Wachroute. Die Schumann hatte ihre langen Haare zum Pferdeschwanz gebunden der vorwitzig hinten unter ihrem schwarzen Barett hervorschaute.

Aber ich stoppte sie: „Halt, kleinen Moment, …. ich komme mit! - Oberstabsgefreiter Riesenhuber zu mir!“
Mein stellvertretender Wachhabender kam dienstbeflissen aus dem Wachlokal.  „Herr Unteroffizier?“
„Sie haben jetzt das Kommando, ich gehe mit auf die Streife.“

Und los ging‘s. Es war ein schöner Spätsommerabend, es fing gerade an zu dämmern. Die nächste halbe Stunde befragte ich beide zu militärischen Dienstvorschriften, insbesondere Wachvorschriften. Neugebauer humpelte die ganze Zeit. Er laborierte an einer fetten Blase, die er sich in der abgelaufenen Woche in dem freilaufenden Manöver unseres Bataillons zugezogen hatte. Das hatte ich natürlich bereits zu Beginn des Wachtörns registriert. Es spielte mir perfekt in die Hände.
Auf Höhe von Munitions-Bunker 4 sagte ich: „Neumann, das ist ja nicht mit anzusehen. Ich befreie sie von diesem Wachgang, kehren sie um zum Wachlokal! Ich übernehme ihren Job.

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