Samstagvormittag. Würde Dounja heute bei mir aufkreuzen? Oder sollte ich sie suchen? Vielleicht verpassen wir uns dann? Gegen Mittag entschied ich mich dazu, nach Innsbruck zu fahren. Plan hatte ich keinen. Wenn ich sie in ihrer Wohnung nicht antreffen würde, wäre Enissa meine erste Anlaufstation. Und wenn ich dort nichts erfahren würde, ihr Exmann.
Ihre Wohnung war aufgeräumt. Aber von Dounja keine Spur. Oder doch? Ihre Reisetasche fehlte. Und sie hatte den neuen Schmuck, von Meandros (Ihr erinnert euch?), mitgenommen.
Enissa wollte mich gar nicht einlassen, mit der Begründung, dass Hakan nicht da wäre. Erst als ich sie anflehte und beteuerte, dass ich völlig verzweifelt bin, meinte sie: „Ich kann Dir nichts sagen! Ich habe es versprochen!“ Sie drehte sich um und ich hatte das Gefühl, sie bekam einen Weinkrampf, als sie die Türe zuschob. Mein Gefühl trog mich nicht, denn ich hörte ihr schluchzen. Ich wartete noch eine Weile, aber Enissa öffnete nicht mehr.
Ihr Ex hatte kein gutes Wort für mich. Er beteuerte aber nicht zu wissen, wo die ‚Schlampn‘ ist. Ich konnte ihn ja verstehen und – ich glaubte ihm. Wobei ich die Bezeichnung ‚Schlampe‘ für eine Frau, die er einmal geliebt hatte, unverschämt fand.
Noch einmal kontaktierte ich Dounjas Tochter. Kurz angebunden antwortete sie nur, dass ihre Mutter nicht bei ihr sei. Während meiner Frage, ob sie eine Vermutung hätte, wo sie denn stecken könnte, legte sie auf. Ich war im vergangenen Jahr zwei Mal mit Dounja in Wien bei Anna und ihrem Freund. Sie kennt mich. Gut, Anna hätte es gerne gesehen, wenn ihre Eltern wieder miteinander…aber ist das Grund genug, mich mit meinem Anliegen abzuweisen?
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.