Mein Besuch bei einer Polizeidienststelle in Innsbruck endete auch ergebnislos. Immerhin erfuhr ich, dass Dounja kein Opfer einer Gewalttat wurde. Jedenfalls gab der Computer zu diesem Zeitpunkt nichts dazu her. Auch in den Innsbrucker Krankenhäusern war sie nicht registriert. Man war sogar so freundlich und versuchte ihr Telefon zu orten. Leider ohne Erfolg. Den guten Rat: „Lossen Sie sie in Ruah. Sie ist dawachsen und wird schon wissn, was sie tuat!“ hätten die sich sparen können!
Ich war am Boden zerstört. Bei meinem Arbeitgeber meldete ich mich krank. Und weil ich mit den Nerven völlig runter war, bekam ich eine Krankschreibung von meiner Hausärztin. Ich glaube, sie konnte meine Gefühlswelt nachvollziehen.
Zwei Wochen und fünf Tage sind derweil vergangen. Kein Anruf, keine Nachricht von meiner Geliebten. Ihr Telefon ist nach wie vor ausgeschaltet. Ein Anruf bei der österreichischen Polizei brachte keine neuen Erkenntnisse.
„Ich hab Dich lieb! Für immer. Vergiss das nie!“ Das waren ihre letzten Worte bei unserem Abschied. Sollte das wirklich ein Abschied für immer gewesen sein? Wusste sie, dass es kein Wiedersehen geben wird? Verdammt, Dounja, wo bist Du? Du fehlst mir!
Heute, Mittwochmorgen, läutete gegen halb acht mein Mobiltelefon. „Ich darf Dich eigentlich nicht anrufen.“ Annas Stimme klang verzweifelt. „Aber ich weiß nicht weiter. Sie heult nur noch. Nicht wegen dem Tumor. Komm, schau dassd vorbeikommst! Bald!“ Und am Verzweifelndsten klang ihr: „Bitte!“
Schon bei ihrem ersten Ton war ich hellwach. Wie ein Blitz fegte ich aus dem Bett ins Bad. Zehn Minuten später war ich auf der Straße, unterwegs nach Wien. Fragt nicht wie…
Das Navi führte mich. Auch ein Parkplatz war unweit Annas Wohnung zu finden. Unzählige Gedanken schwirrten durch meinen Kopf. Am Telefon sprach ihre Tochter von Tumor. Wie schlecht ging es meiner Geliebten? Und warum wollte sie mich nicht bei sich haben?
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.