Warum

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Grauhaariger

"Wieder daheim", „Warum“ und „Abschied“ sind die unwiderruflich letzten Teile meiner Geschichte um ‚Dounja‘. Sie schließen an die Folge „Erster Urlaub Teil 12 von 12“ aus dem Zyklus Dounja an. Spannung und Dramatik war Forderung und Anspruch zugleich von einer meiner Leserinnen! Danke Andrea für die Inspirationen!

Immerhin, die halbe Scheibe Brot und die ganze Tasse Tee. Den Rest lehnte sie ab. Dounja zog mich zu sich heran und wir umarmten uns. Dann begann sie bitterlichst zu weinen. „Ich sterbe“.

Nein, das darf nicht sein! Ich war schockiert und sprachlos. Wir hielten uns eine Ewigkeit aneinander fest. „Ein Tumor;“ schluchzte Dounja. Warum sie? „Du kannst doch nicht gehen! Wir haben uns gerade erst gefunden!“ Worte voller Verzweiflung, gerichtet an meine große Liebe. Sie konnten nur einen Bruchteil von der Betroffenheit und Trauer ausdrücken, die in mir herrschte.

Dounja lud mich zu sich unter die Bettdecke ein. Natürlich schlug ich diese Einladung nicht aus. Dann begann sie, sehr gefasst, taff und nüchtern zu erzählen. Ihre Bauchschmerzen, auf der Fähre zurück war der erste heftige Schub, wurden durch einen Tumor ausgelöst. Ihre Tochter hatte die Rettung gerufen, weil es ihr nach ihrem Eintreffen in Wien so schlecht ging. In der Uniklinik hatten sie dann relativ schnell die Ursache gefunden. Ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse. Es folgten mehrere Untersuchungen. Sogar ein zweiter Professor einer anderen Klinik wurde hinzugezogen. Dounja gab mir einen kleinen Stupser und bemerkte: „Den Mann, den ich in Wien kennengelernt hatte!“ Sie brachte sogar ein Lächeln hervor. Beide hätten ihr abgeraten, eine Chemo zu machen. Es würde ihr Leiden nur verschlimmern. Einige Organe sind bereits in Mitleidenschaft gezogen. „Die sagen, ich habe noch ein halbes Jahr.“ Meine Geliebte sah mich verzweifelt an. „Zum Ende hin mit viel Morphin.“ Ich konnte sie nur an mich drücken. Wie tröstet man einen todkranken Menschen?

„Und Du?“ fragte sie wie aus dem Nichts. „Hast Du inzwischen eine Neue?“

„Sagen wir eine Wiedergefundene!“ Zum wievielten Male drückten wir uns inzwischen? Egal. Ich musste und wollte ihr zeigen, welche emotionale Verbundenheit zwischen uns herrschte. Ein wenig vorwurfsvoll meinte ich dann: „Weder Enissa noch Anna hat was gesagt!“

„Ja,“ Dounja grinste sogar ganz kurz, „ich weiß, dass Du nach mir gefahndet hast. Aber auf die Zwei kann ich mich verlassen!“ Dann erklärte sie mir tränenreich ihre Entscheidung, dass ich sie nicht so leidend in Erinnerung behalten sollte.

„Du wirst mich jetzt nicht mehr los! Für Dich würde ich alles tun!“ versicherte ich meiner Geliebten. „Und ich bin für Dich da! Und wenn Du wirklich gehen musst,“ ich unterbrach meinen Satz, weil er so schwer über meine Lippen kam, „werde ich bei Dir sein!“

„Okay, ich nehm Dich beim Wort!“ Dounja ging es sichtbar besser als bei meinem Eintreffen. Sie fragte: „Würdest Du mich mitnehmen? Ich gehe Anna schon viel zu lange auf die Nerven.“

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