Was seine Hände konnten

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Was seine Hände konnten

Was seine Hände konnten

Leni Trattner

Diesmal wartete ich nicht darauf, dass er mich küsste. Ich küsste ihn selbst. Kurz, aber eindeutig. Ich wollte wissen, ob aus seinen Nachrichten nun endlich ein Körper werden würde.

Er erwiderte den Kuss.

Mehr nicht.

Keine Hand an meinem Rücken. Kein Griff in meinen Nacken. Kein Versuch, mich noch einen Augenblick länger festzuhalten. Als ich mich löste, sah er mich an, als hätte ich ihm soeben eine interessante, aber noch nicht ganz ausgereifte Idee präsentiert.

„Das war schön“, sagte er.

„Ja.“

„Sehr schön.“

„Das habe ich gehört.“

Er lächelte, küsste mich noch einmal auf die Wange und ging zu seinem Auto.

Ich blieb auf dem Gehsteig stehen, bis die Rücklichter verschwunden waren.

Mein Telefon vibrierte, bevor ich die nächste Ecke erreicht hatte.

Du bist eine außergewöhnliche Frau. Ich will mehr von dir. Viel mehr.

Ich sah auf die Nachricht und steckte das Telefon wieder ein.

Seine Worte waren weiterhin tadellos. Nur leider befand ich mich nicht in einer Literaturzeitschrift.

Danach schrieb er noch häufiger als zuvor. Der Kuss hatte ihm offenbar genügt, um sich an Einzelheiten zu erinnern, die er in Wirklichkeit kaum erlebt hatte.

Du hast beim Küssen kurz den Atem angehalten, schrieb er eines Abends. Ich habe mich gefragt, was passiert wäre, wenn ich dich nicht gleich wieder losgelassen hätte.

Ich saß auf meinem Sofa, ein Bein unter mich gezogen. Ich erinnerte mich an den Kuss. Ich erinnerte mich auch daran, dass ich diejenige gewesen war, die ihn begonnen und beinahe allein zu Ende gebracht hatte.

Das hätten wir gemeinsam herausfinden können, antwortete ich.

Er schrieb, er hätte meine Haare aus dem Gesicht gestrichen. Seine Hand wäre an meiner Wange geblieben, bis ich mich an sie gelehnt hätte. Er hätte mich noch einmal geküsst, nicht kurz und höflich, sondern so, dass wir beide vergessen hätten, vor einem Lokal zu stehen.

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