Was seine Hände konnten

12 20-31 Minuten 0 Kommentare
Was seine Hände konnten

Was seine Hände konnten

Leni Trattner

Ich senkte das Telefon. Mein Gesicht war warm geworden. Nicht, weil ich glaubte, er hätte all das tatsächlich getan. Sondern weil ich es wollte. Weil ich für einen Moment fühlen konnte, wie es gewesen wäre, wenn er meinen Kuss nicht bloß erwidert, sondern gewollt hätte.

Du weißt, dass du diese Dinge auch tun darfst?, schrieb ich.

Die drei Punkte erschienen, verschwanden und erschienen wieder.

Gerade das macht es zwischen uns so intensiv, antwortete er. Dass wir nichts erzwingen.

Ich legte das Telefon neben mich. Er hatte aus einer Einladung wieder ein Konzept gemacht. Trotzdem nahm ich es wenige Minuten später noch einmal in die Hand. Und es folgten weitere Nachrichten, viele weitere Nachrichten. Ich las sie morgens in der Straßenbahn, zwischen einer Frau mit Einkaufstaschen und einem Studenten, der noch halb schlief. Ich las sie in der Redaktion, während neben mir jemand über Budgets sprach. Einmal las ich eine davon auf der Toilette eines Kaffeehauses und war froh, dass mich niemand sehen konnte, da ich rot wurde.

Ich antwortete ihm. Nicht immer sofort, aber regelmäßig. Ich stellte mir vor, welche Wirkung meine Worte auf ihn hatten, und ich begann, diese Wirkung, die er natürlich auch ausführlich beschrieb, zu genießen. Es war eine harmlose Form der Macht. Er schrieb einen Satz, ich ließ ihn warten. Er schrieb noch einen, ich antwortete mit einem halben. Er beschrieb mir seine Hände, und ich schrieb, dass ich gerne sehen würde, ob sie tatsächlich so viel konnten.

Darauf reagierte er mit einer Nachricht von beinahe drei Absätzen.

Er sei kein Mann der schnellen Befriedigung, schrieb er. Er brauche Intensität. Vertrauen. Eine besondere Verbindung. Körperlichkeit beginne für ihn lange vor der ersten Berührung.

Ich legte das Telefon auf den Tisch und sah eine Weile aus dem Fenster.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 1010

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben