Körperlichkeit, die lange vor der ersten Berührung begann, war vermutlich sehr bequem. Man konnte sie jederzeit behaupten und musste niemals überprüfen, ob sie auch dann noch vorhanden war, wenn zwei Menschen tatsächlich nebeneinanderstanden. Trotzdem erregten mich seine Nachrichten. Oder genauer: die Möglichkeit, die sie eröffneten. Ich stellte mir nicht unbedingt ihn vor. Ich stellte mir eine Situation vor, in der seine Worte plötzlich wahr wurden. In der er mich nicht mehr beobachtete, um herauszufinden, ob er seine Wirkung entfaltete, sondern einfach handelte. Und in der ich diese perfekte Frau war, die er in seinen Nachrichten beschrieb. Eigentlich hätte ich Angst haben müssen, dass ich diesen Vorstellungen, die er von mir hatte, nie gerecht werden konnte. Hatte ich aber nicht. Denn er, er wurde ja seinen eigenen Beschreibungen auch nicht gerecht. Denn er, er war von dem „Ich“ in seinen Nachrichten noch mehr entfernt als ich von der Frau, die er in seinen Nachrichten ansprach.
Doch zu einem Treffen kam es länger nicht. Erst nicht, weil er plötzlich verreisen musste. Danach hatte ich eine reale berufliche Verpflichtung. Dann war er mit einem Projekt beschäftigt, das ihn, wie er schrieb, „vollständig absorbierte“. Er schickte mir in dieser Zeit eine Fotografie von einem Tisch, auf dem ein Glas Wasser, zwei Stifte und ein Notizbuch lagen.
So sieht mein Leben gerade aus.
Ich antwortete:
Es wirkt anstrengend.
Er schickte ein lachendes Emoji.
Irgendwann trafen wir uns doch wieder. Wieder am Abend, wieder in einem Lokal mit gedämpftem Licht. Ich begann zu glauben, dass die Dunkelheit ein Teil seiner Methode war. In heller Umgebung hätte vielleicht alles zu real für ihn gewirkt. Er erzählte von einer Ausstellung, die er plante, von einem Gespräch mit einem wichtigen Menschen und von einer Idee, die er seit drei Nächten nicht schlafen ließ.
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