Was seine Hände konnten

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Was seine Hände konnten

Was seine Hände konnten

Leni Trattner

Jedoch merkte ich, dass ich das alles nicht mehr so ernst nahm. Auch nicht die Frage, ob an jenem Abend endlich etwas Körperliches zwischen uns geschehen würde. Irgendwie konnte ich es mir nicht vorstellen, aber ich wollte doch einen Versuch starten.  Während er redete, berührte ich daher mit meinem Fuß seinen. Er unterbrach sich.

Ich bewegte meinen Fuß nicht weg.

Er ebenfalls nicht.

So saßen wir eine Weile da, verbunden durch unsere Füße, aber nicht mehr. Dann nahm er sein Glas und stellte es weiter nach rechts. Sein Fuß löste sich von meinem.

„Ich glaube, ich habe gerade etwas verstanden“, sagte er.

„Was?“

„Es geht um Nähe und Distanz.“

„Das ist praktisch. Dann musst du dich nicht entscheiden.“

Er sah mich fragend an.

„Wie meinst du das?“

„Nichts.“

Ich nahm einen Schluck Wein. Der Abend war nicht unangenehm. Das war vielleicht das Ärgerlichste daran. Er war höflich, gepflegt und auf seine Weise aufmerksam. Er fragte nach meiner Arbeit, erinnerte sich an Einzelheiten und machte mir Komplimente, die so klangen, als hätte er sie zuvor sorgfältig entworfen.

Nur kam er mir nicht näher.

Als wir das Lokal verließen, blieb ich vor der Tür stehen. Er schien auf etwas zu warten. Vielleicht darauf, dass ich wieder die Initiative übernahm. Vielleicht darauf, dass die Situation sich von selbst in eine Richtung entwickelte, die er später als seine Absicht ausgeben konnte.

Ich trat einen Schritt auf ihn zu.

„Willst du mich nicht küssen?“, fragte ich.

Er lächelte.

„Ich wollte dir Raum lassen.“

„Du lässt mir sehr viel Raum.“

„Das ist wichtig.“

„Für wen?“

Er antwortete nicht sofort. Dann legte er mir beide Hände auf die Schultern. Die Geste war beinahe zärtlich, aber sie hatte etwas Zeremonielles. Als würde er einen Rahmen abstecken.

Ich küsste ihn.

Er erwiderte den Kuss, ohne ihn zu vertiefen.

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