Was seine Hände konnten

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Was seine Hände konnten

Was seine Hände konnten

Leni Trattner

Seine Lippen bewegten sich, sein Körper blieb zurückhaltend. Als ich meine Hand unter seinen Mantel schob und seinen Rücken berührte, versteifte er sich kaum merklich.

Nicht vor Erregung.

Vor Überraschung.

Ich zog meine Hand wieder zurück.

„Du bist sehr vorsichtig“, sagte ich.

„Ich möchte nichts überstürzen.“

„Wir kennen uns seit Wochen.“

„Zeit ist nicht das Entscheidende.“

Natürlich nicht. Bei ihm war nie das Entscheidende, was tatsächlich geschah.

Er verabschiedete sich kurz darauf. Er müsse nach Hause. Ein früher Morgen. Ein klarer Kopf. Ein Körper, der gepflegt werden müsse.

Ich sah ihm nach, wie er die Straße hinunterging. Er ging nicht besonders sportlich. Eher vorsichtig, als müsse er seine Bewegungen ständig kontrollieren, damit keine unvorhergesehene Handlung aus ihm herausfiel.

Auf dem Heimweg schrieb er mir bereits.

Heute war wunderschön. Diese Spannung zwischen uns ist außergewöhnlich.

Ich las die Nachricht zweimal.

Dann schrieb ich:

Ja. Sie hält sich erstaunlich gut.

Am nächsten Morgen schrieb er, dass er kaum geschlafen habe.

Nicht, weil er an mich gedacht hatte. Das wäre zu schlicht gewesen. Er hatte über unsere Spannung nachgedacht. Über die Energie zwischen uns. Über das, was möglich sei, wenn zwei Menschen nicht vorschnell handelten. Ich las die Nachricht beim Frühstück bei mir zu Hause, trank einen selbstgemachten Espresso und bestrich ein Stück Brot mit Butter.

Du solltest dich ausruhen, schrieb ich.

Er antwortete sofort:

Du bist unglaublich.

Ich nahm einen Schluck vom Kaffee. Er hatte recht. Der Espresso war gut – ich war unglaublich. Als Barista.

Es folgten weitere Nachrichten. Er beschrieb, was er mit mir machen wollte, wenn unsere Nähe und Distanz endlich ausgeglichen wären. In seinen Worten gab es keine Unsicherheit.

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