Auf dem Boden lagen drei zusammengerollte Pläne, ein Paar Schuhe, eine leere Wasserflasche und ein einzelner Handschuh. Vielleicht gehörte der Handschuh zu einer Idee, die sich bisher nicht hatte verwirklichen lassen. Vielleicht war er aber auch nur zu schlampig gewesen, um aufzuräumen.
Ich schrieb meinen Artikel zwei Tage später. Er wurde länger, als er es verdient hatte, aber kürzer, als er erwartet hatte. Ich erwähnte seine Entwürfe, ohne sie zu beurteilen, und verwendete einige seiner Lieblingswörter. Zukunft. Radikalität. Prozess. Körper. Raum. Das genügte für einen Typen wie ihn meistens. Ein Text muss nicht alles erklären, was er beschreibt. Manchmal reicht es, die Nebelmaschine korrekt zu bedienen und schöne Trugbilder zu erzeugen.
Am Abend rief er mich an.
Ich erkannte seine Stimme sofort, obwohl wir nur einmal miteinander gesprochen hatten. Sie hatte etwas Weiches, das vermutlich einstudiert war. Nicht unangenehm. Nur ein wenig zu bewusst.
„Ich hoffe, Sie haben mich nicht zu sehr seziert“, sagte er.
„Ich bin Journalistin, keine Pathologin.“
Er lachte.
„Ich würde Sie gerne zum Essen einladen.“
Ich hätte Nein sagen können. Ich hatte keinen besonderen Grund, Ja zu sagen. Aber es gibt Einladungen, die nicht deshalb schmeicheln, weil man den Einladenden begehrt, sondern weil er einen offenbar begehrenswert findet. Das ist nicht dasselbe, aber man darf die Verwechslung eine Weile genießen.
„Gerne“, sagte ich daher.
Er nannte ein Restaurant, das ich kannte. Ein Ort mit gedämpftem Licht und riesigen Tellern, auf denen die Speisen noch kleiner aussahen, als sie es waren. Natürlich hatten die Gerichte keinen Namen, sie liefen nur unter der Hauptzutat. Konzept eben. Oder Dekonstruktion von etwas, das man nicht dekonstruieren sollte, weil es das aus einem guten Grund gab.
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