Dabei saß er vor mir, die Schultern etwas nach vorn gezogen, mit einem kleinen Bauchansatz über dem Hosenbund. Nicht unattraktiv. Wirklich nicht. Sein Gesicht war schmal, seine Hände waren gepflegt, und wenn er schwieg, konnte man sich vorstellen, dass er interessant war.
Vielleicht war das seine stärkste Seite: die Möglichkeiten als Realität anzusehen. Auch wenn sie noch gar nicht existierten.
„Ich beginne jeden Morgen mit einer Atemübung“, sagte er.
„Wie lange?“
„So lange, bis ich bei mir bin.“
„Und wann sind Sie dort?“
Er sah mich an. Diesmal lächelte er.
„Manchmal gleich. Das hängt davon ab, ob wer bei mir ist.“
Da war es nun, das Flirten. Spät, aber nicht unerwartet. Ich nahm einen Schluck Wein und ließ meinen Blick kurz über sein Gesicht wandern, bei seinen Lippen ein wenig hängenbleiben. Ich wollte sehen, ob er nervös wurde. Er wurde nicht nervös. Er wurde nur aufmerksamer, als hätte er bemerkt, dass der Abend endlich in die geplante Richtung lief.
Er griff nach der Serviette und zog sie zu sich.
„Warten Sie“, sagte er. „Ich habe gerade eine Idee.“
Er nahm den Kugelschreiber, der neben seinem Teller lag, und begann zu zeichnen. Die Linie war langsam und bedeutungsvoll. Ein Bogen, zwei kurze Striche, dann etwas, das entweder ein Körper oder ein schlecht konstruierter Sessel sein konnte.
„Das ist spontan“, sagte er.
„Das sehe ich.“
„Es geht um Spannung.“
„Das hoffe ich.“
Er sah mich an. Jetzt gefiel ihm mein Gesicht wirklich. Oder zumindest das, was er darin zu erkennen glaubte.
Ich ließ ihn weitersprechen. Über seine Arbeit, seinen Körper, seine Disziplin und die vielen Dinge, die er angeblich jeden Tag tat. Es war erstaunlich, wie viele Tätigkeiten ein Mensch beschreiben konnte, ohne eine einzige davon vorzuführen.
Und doch begann ich mich zu fragen, was hinter all diesen Worten steckte.
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