Später saß Anne auf einem dicken Kissen am Schreibtisch, während ihr Willi eine kalte Limo bereitstellte. Anne nahm dankbar einen Schluck. Als Willi nicht hinsah, führte sie die angelaufene Flasche an ihre Sitzgelegenheit, wo sie wohlige Gefühle hervorrief. Anne war ganz schön warm da hinten. Sie war aber auch ganz froh, dass Willi so streng war. Es gab ihr ein angenehm sicheres Gefühl, dass er nach ihr schaute, und sie ihn nicht an der Nase herumführen konnte. Sie lernte noch eine ganze Stunde, bis sie Willi endlich ins Bett brachte. Dort entschädigte er sein unartiges Mädchen für die erlittenen Qualen. Annes befreites Quieken bestätigte den Erfolg seiner Bemühungen.
Zur selben Stunde überlegte sich Inge, ob mit ihr alles okay sei? Sie spürte seit langem, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlte. Das war ja auf dem Internat kein Problem, da sich fast alle Mädchen untereinander vergnügten. Nur hatten die allermeisten von denen Freunde. Inge spürte kein Interesse an Jungs. Sie hatte sich in Theresa verguckt, nachdem Käthe ja ihren Ricky hatte. Käthe spielte mit Inge, aber sie wusste, dass ihre wahre Liebe Richard galt. Resa gefiel Inge. Sie ahnte ja nicht, dass sie mit Julius verbandelt war. Inge schämte sich aber auch wegen ihrer Veranlagung, die Ende der Fünfziger kaum Akzeptanz fand. Es gab den berühmten Paragraphen 175, der gleichgeschlechtliche Aktivitäten sogar unter Strafe stellte, wobei bei lesbischen Frauen noch eher ein Auge zugedrückt wurde. Es war dennoch sehr schwierig, da die Liebe zum selben Geschlecht als Krankheit galt, die behandelt werden musste. Inge geriet in einen Konflikt der Gefühle. In ihrer Not fasste sie einen Entschluss. Am nächsten Tag bat sie Fräulein Reiser um einen Gesprächstermin.
Hedwig wusste, was Inge umtrieb. Sie ahnte, was mit dem blonden Mädchen los war, das ihr mit traurigen Augen gegenübersaß. „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, Fräulein Reiser.
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