Weihnachtsmaus

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Weihnachtsmaus

Weihnachtsmaus

Sven Solge

Lange braune Haare umrahmten ein schmales Gesicht, mit ausdruckstarken Augen. Torben meinte noch nie in solche Augen geblickt zu haben. Er hatte das Gefühl, dass sie bis in sein innerstes sehen konnte und all seine Wünsche und Emotionen erkannte.

Sie hatte eine schlanke Figur, trug einen roten Pullover und eine schwarze Hose. Auf dem Pullover prangte auf ihrem kleinen Busen, eine graue Maus, die eine Weihnachtsmannmütze auf dem Kopf hatte.

Unwillkürlich musste Torben lachen, „na, das ist ja mal ein lustiger Weihnachtsmann!“, brachte er glucksend hervor.

Die Frau strahlte ihn an, zog dann mit beiden Händen ihren Pullover stramm und schaute sich die Maus selber noch mal an. „Finde ich auch, ist ein Geschenk von meiner Tochter, die mich damit etwas aufheitern wollte.“

„Und warum bist du heute Abend nicht bei deiner Tochter?“, fragte Torben impulsiv und bereute sogleich seine Frage, als er die Verwandlung im Gesicht der Frau bemerkte. „Entschuldige, ich wollte keine Wunden aufreißen, geht mich ja nichts an!“ Dabei legte er ihr kurz die Hand auf den Oberarm und streichelte leicht über den Wollstoff ihres Pullovers.

Dann wandte er sich dem Wirt zu und fragte ihn, ob er einen Glühwein haben könnte. Der nickte, fragte dann aber noch kurz, „Mit Schuss?“ Und als Torben zustimmte, machte er sich an die Arbeit.

„Meine Tochter wohnt in den USA und deshalb kann ich nur ab und zu rüber fliegen. Ist einfach zu teuer für mich.“ Dabei blickte sie ihn freundlich an und legte nun ihrerseits eine Hand auf seinen Arm und meinte dann, mit ihrer wohlklingenden Stimme: „Das konntest du ja nicht wissen. Ich bin immer etwas traurig, gerade zu Weihnachten ist es schlimm!“

Sie schaute ihn mit tränengefüllten Augen an, die im schwachen Licht der beiden Kerzen auf dem Tresen, funkelten.

„Und was verschlägt dich an so einem Abend in eine Kneipe? Warum bist du nicht bei deinen Kindern?“

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